Archiv für den Monat August 2013

1 + 1

Ich freu mich sehr darüber, dass ich jetzt schon eine Mitstreiterin gefunden hab 🙂

1 + 1 gibt 2 und das ist ein guter Anfang!

Ich bin gespannt darauf sie zu treffen und besser kennenzulernen. Wir können uns einige der anstehenden Aufgaben teilen, zusammen geht es sicher schneller und macht mehr Spaß! Eine weitere interessierte Person ist auch schon gefunden, hier ist es aber noch nicht ganz so konkret.

Die nächsten Schritte sind auch schon geplant:

  • Wir werden uns bald etwas näher vorstellen, geplant sind Steckbriefe, damit ihr euch ein besseres Bild davon machen könnt, mit wem ihr es hier zu tun habt.
  • Ich arbeite an einem Flyer, um auch offline auf Autland aufmerksam zu machen.
  • Eine Liste von Kontaktstellen ist in Arbeit. Denen werden wir dann Informationen und Flyer zukommen lassen, in der Hoffnung, auf diesem Weg möglichst viele interessierte Autisten zu erreichen.
  • Auch online werden wir an verschiedenen passenden Stellen von Autland berichten / hierher verlinken.

Ich denke immernoch über geeignete Räumlichkeiten nach. Vielleicht nehme ich Kontakt zur regionalen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen auf. Sie müssten einen guten Überblick über das Raumangebot in Nürnberg haben. Andererseits fänd ich es schön, wenn wir uns an einem Ort treffen könnten, der in ein Kultur-/Technikumfeld eingebunden ist. Das würde passen, da wir ja nicht nur rumsitzen und über Probleme reden, sondern auch gemeinsame Projekte angehen wollen. Aber das wird erst dann konkreter, wenn wir ein paar weitere Interessenten gefunden haben und uns über unsere Vorstellungen diesbezüglich ausgetauscht haben.

Es ist und bleibt spannend und ich freue mich über jeden neuen Kontakt! Das will was heißen 😉

Wenn du das hier liest und nicht weißt, ob du es schaffst Kontakt aufzunehmen oder überlegst, wie du das am besten machen sollst: mach dir keine Gedanken darüber, wie es wohl „richtig“ ist oder wie du dich ausdrücken sollst. Schreib einfach, was du denkst 🙂
Ich kenne das Problem nicht zu wissen, wie ich auf jemanden zugehen soll. Erst Recht, wenn ich diese Person nicht kenne. Und noch schwieriger ist es, sich alleine einem Projekt anzuschließen, bei dem man überhaupt niemanden kennt. Ich trau mich sowas ganz oft einfach nicht, obwohl es mich sehr interessieren würde.
Hab keine Angst dich zu melden! Ich bin mindestens genauso aufgeregt, nervös und unsicher, wie du. Ich freu mich sehr über jede Nachricht 🙂

Anna

„Sie leben in ihrer eigenen Welt.“

Gibt es jemanden, der mit Autismus zu tun hat, der diesen Satz noch nie gehört oder gelesen hat?

Immer wieder wird diese Formulierung verwendet, um Autisten zu beschreiben. Manchmal auch von autistischen Menschen selbst. Ich kann mich damit nicht identifizieren. Nagut, wenn man etwas philosophischer an die Sache rangehen möchte, könnte man behaupten, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt. Wir schaffen uns unsere individuelle Realität auf Basis unserer Wahrnehmungen, Erfahrungen und Wertungen. Manche Menschen gehen so weit zu fragen, ob es überhaupt eine Realität gibt, ob die Welt existiert oder nur ein Konstrukt unseres Geistes ist.

Das sind alles interessante Überlegungen. Doch für gewöhnlich ist dieser Satz in Zusammenhang mit Autismus anders gemeint. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich wirklich verstanden habe, was die Menschen damit aussagen wollen. Ich vermute es ist ein Versuch den Eindruck, den Nichtautisten von Autisten haben in Worte zu fassen. In unpräzise, schwer zu fassende Worte, die alles und nichts bedeuten können. Vielleicht drücken sie die Vermutung aus, dass Autisten die sie umgebende Welt garnicht wahrnehmen sondern geistig ganz woanders sind.

Wie auch immer es gemeint ist, für mich ist es eine falsche Umschreibung. Würde ich in meiner eigenen Welt leben, wäre mein Leben sehr viel einfacher. Aber ich lebe hier, mitten unter all den anderen Menschen. Und hier in dieser Welt muss ich mich zurechtfinden. Hier wohne ich, hier studiere ich, hier werde ich hoffentlich eine interessante Arbeit finden, hier muss ich meine Lebensmittel einkaufen und mit Menschen kommunizieren. Hier muss ich die Geräusche ertragen, die meine Nachbarn und all die Anderen ohne Unterbrechung produzieren. Ständig prasselt diese eine Welt mit ihren unzähligen, überwältigenden Reizen auf mich ein. Diese Welt ist mir so nah, dass sie mir zuviel wird.

Aber ich lebe in dieser Welt. Genau wie ihr. Auch wenn ich mir manchmal wünsche, ich könnte ihr entfliehen.

Oft verstehe ich ihre Regeln nicht und kann nicht begreifen, warum bestimmte Dinge genau so sind wie sie sind und nicht anders. Vieles ergibt einfach keinen Sinn für mich. Meine eigene Welt würde sehr anders sein. Vielleicht sagen die Menschen, wir würden in unserer eigenen Welt leben, weil sie uns nicht verstehen. Weil unsere Art wahrzunehmen, zu denken und zu kommunizieren ihnen so fremd erscheint, als kämen wir aus einer anderen Welt. Aber damit macht ihr es euch viel zu leicht.
„Sie leben in ihrer eigenen Welt.“. Damit schließt ihr uns aus dieser Welt aus und verleugnet die Tatsache, dass wir eben gerade nicht in einer eigenen Welt leben, sondern in unserer gemeinsamen, für Autisten oft verwirrenden Welt zurechtkommen müssen. Wir haben keine andere Wahl. Manchmal ist es nur zu ertragen, indem wir uns völlig abschotten und verschließen. Das ist dann eine dringende Notwendigkeit, ein Selbstschutz, der verhindert, dass es uns wahnsinnig macht. Meistens haben wir darüber keine Kontrolle.

Obwohl ich dieses Projekt „Autland“ genannt habe und die Idee eines autistischen Landes beschreibe, will ich keine Parallelwelt erschaffen. Keine abgekapselte, autistische Welt, außerhalb der Realität. Es ist nur ein Bild für einen kleinen, geschützten Ort innerhalb dieser verwirrenden Welt, an dem wir uns für eine Weile erholen können. Wo wir auf Andere treffen, die ähnlich wahrnehmen wie wir und mit denen die Kommunikation manchmal leichter ist. Damit wir uns gegenseitig unterstützen können, lernen können uns selbst und diese Welt besser zu verstehen. Manchmal ist es einfacher der Welt gemeinsam gegenüber zu treten. Mit anderen zusammen Ideen umsetzen und auf die Welt zugehen ist ein gutes Gefühl. Verstanden werden ist ein gutes Gefühl.

Autismus ist nur ein Aspekt unseres Seins. Ein bedeutender, der viel Einfluss auf uns hat, je nach Persönlichkeit, Lebensumständen, Alter und individueller Veranlagung sieht dieser Einfluss anders aus. Aber wir sind nicht einfach Wesen aus einer „anderen Welt“. Wir leben nicht in einem Autland irgendwo weit entfernt. Sondern hier in dieser Welt. Als Menschen.

Anna

Das Abenteuer beginnt

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich es am besten angehe, meine Idee von einer Autistengruppe in Nürnberg umzusetzen. Es gibt auch jetzt noch viele offene Fragen, aber ich weiß, dass ich sie nicht allein beantworten kann. Ich möchte Autland mit anderen zusammen gestalten und gemeinsam Ideen und Vorstellungen umsetzen. Es gibt so viele verschiedene Bedürfnisse, die man erst berücksichtigen kann, wenn man sie kennt.

Dennoch bin ich jetzt endlich soweit mit diesem Blog als zentrale Anlaufstelle an den Start zu gehen. Ich will versuchen hier zu dokumentieren, wie sich die Gruppengründung gestaltet, welche Aufgaben gerade anliegen und wie es vorangeht. Außerdem ist das hier ein guter Anlaufpunkt für Interessenten.

Schon jetzt hab ich Ideen für verschiedene Projekte, die man als Gruppe irgendwann umsetzen könnte. Auch davon will ich nach und nach ein wenig erzählen.

Der wichtigste nächste Schritt ist jetzt erstmal andere Autisten zu finden, die Lust haben hier mitzumachen. Es ist wahrscheinlich einfacher Interessenten zu finden, wenn man schon ein fertiges, konkretes Angebot zu machen hat. Sicher gibt es einige Menschen, die keine Zeit oder Energie dafür haben selbst am Aufbau eines solchen Projekts mitzuwirken, die aber schon interessiert wären zur Gruppe dazuzustoßen, wenn sie existiert. Auch ihr seid herzlich eingeladen euch schon jetzt zu melden. Wir alle haben andere Fähigkeiten und Möglichkeiten, das ist schon okay.

Nebenbei recherchiere ich schonmal, welche Orte eventuell als Treffpunkt (zumindest für den Anfang) in Frage kommen. Ich selbst bin zum Beispiel sehr geräuschempfindlich und könnte mich in einem Raum an einer lauten, befahrenen Straße nicht wohlfühlen. Sicher gibt es noch viele andere Aspekte zu beachten, sobald klar ist, wer noch dazugehören wird. Also ist meine Recherche zwangsläufig erstmal nur vorläufig.

Ich habe ein bisschen Angst, dass sich vielleicht überhaupt niemand meldet und ich die Einzige bin, die Interesse an dieser ganzen Sache hat. Aber ich finde nur raus, ob das stimmt, wenn ich es versuche. Und ich habe Geduld 🙂

Ich freu mich sehr über Kommentare und Mails oder auch Kontaktaufnahmen per Jabber. Die Details findet ihr oben unter „Kontakt“.

Grüße an euch,

eure Anna