Archiv für den Monat April 2014

Ein Autland für ein paar Stunden – Raum für Gruppentreffen gesucht

Hallo da draußen!

Der Kreis der Interessenten an Autland Nürnberg wächst langsam und unsere organisatorischen Fragen klären sich zunehmend 🙂

Eine ganz wichtige Sache fehlt uns aber noch. Ein Raum für unsere Gruppentreffen. Bisher fanden wir nur etwas an einem chaotischen, lauten Ort, etwas nicht Barrierefreies (in vielerlei Hinsicht), etwas mit Schließzeiten während 2 – 3 Monaten im Jahr und etwas für 80 Euro pro Treffen. All das kommt für uns aus verschiedenen Gründen leider nicht in Frage.

Wie soll so ein Raum, so ein temporäres Autland, denn eigentlich sein?

Wir haben keine unmöglichen Anforderungen an einen Raum. Es gibt aber ein paar Kriterien, die erfüllt sein sollten:

  • Barrierefrei / barrierearm für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.
  • Weitestgehend barrierefrei für Autisten. Das heißt, vor allen Dingen sollte der Raum sehr ruhig gelegen sein.
  • Ein neutraler, unabhängiger Ort, das heißt nicht an medizinische / psychiatrische Einrichtungen oder bestehende Autismusvereine angeschlossen sein.
  • Einmal monatlich, das ganze Jahr über für uns zugänglich sein – auch in den Ferien. Die Treffen finden voraussichtlich am Wochenende statt.
  • Ein kleiner Hund (auch wenn es in Deutschland keine offizielle Anerkennung für Autismus Assistenzhunde gibt) sollte mitgebracht werden dürfen.
  • Möglichst geringe Kosten, am besten unentgeltlich.

Wir können uns zum Beispiel auch gut vorstellen, uns in einem Stadtteilzentrum oder in Räumlichkeiten von Kulturprojekten zu treffen. Gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein zusätzliches Plus. Wir machen auch keinen Dreck, sind zuverlässig und ruhig und an einer längerfristigen Vereinbarung interessiert. Vielleicht findet sich ja, statt einer Raummiete, auch etwas Anderes, was wir im Gegenzug für das Projekt tun können. Wir sind da für verschiedene Lösungen offen 🙂

Was wir uns wünschen, ist ein ruhiger Ort, an dem wir miteinander reden und uns austauschen können.

Wenn ihr einen solchen Raum anzubieten habt oder wisst, wo wir unser „Autland auf Zeit“ finden könnten, freuen wir uns sehr über Hinweise 🙂

Gerne hier als Kommentar
oder per Mail an autland@achernar.uberspace.de
oder per twitter an @AutlandNbg.

Vielen Dank!

 

 

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Annas Gedanken zu Barrierefreiheit

Was sind Barrieren eigentlich?

Viele Menschen denken Barrieren sind sowas wie Treppenstufen. Oder zu enge Türen und Toiletten. In Wirklichkeit sind Barrieren sehr unterschiedlich und es gibt sehr viele davon. Ich will versuchen das so zu erklären, dass es Jeder verstehen kann. Meistens schreibe ich sehr lange und komplizierte Sätze. Ich will versuchen das hier in leichter Sprache zu erklären. Komplizierte Sprache ist nämlich auch eine Barriere für viele Menschen. Das ist mein erster Versuch. Ich hoffe es klappt 🙂

Menschen sind sehr verschieden. Es gibt auch sehr viele verschiedene Behinderungen. Zum Beispiel körperliche Behinderungen oder Lernschwierigkeiten. Manche Menschen können nichts sehen oder nichts hören. Manche Leute sind autistisch. So wie ich, ich bin Autistin. Autisten haben Probleme mit der Wahrnehmung und mit der Kommunikation.

Manche Sachen können behinderte Menschen nicht machen und nichtbehinderte Menschen schon. Zum Beispiel eine Treppe hochlaufen oder die Farbe einer Ampel sehen. Nicht alle Menschen können lesen oder telefonieren oder komplizierte Sachen verstehen.

Treppen und komplizierte Texte sind Barrieren. Telefonieren und Ampeln ohne Geräusche und Vibrationen sind auch Barrieren. Es gibt aber noch viel mehr davon. Barrieren sind so unterschiedlich, weil behinderte Menschen so unterschiedlich sind. Alles was behinderte Menschen ausschließt, ist eine Barriere. Eine Barriere ist also sowas wie eine Bahnschranke. Und behinderte Leute kommen einfach nicht vorbei. Alle Anderen schon.

Wer macht Barrieren?

Die Welt ist voller Barrieren. Viele Menschen merken das garnicht, weil sie nicht behindert sind. Früher hat man nicht an behinderte Menschen gedacht. Man hat Treppen gebaut und Ampeln und Telefone für nichtbehinderte Menschen. Die gibt es jetzt immernoch.

Es werden auch neue Barrieren von vielen Menschen gemacht. Manchmal ist das keine Absicht. Sie wissen es nicht besser. Manchmal ist es billiger. Menschen ohne Behinderungen finden es einfacher. Sie finden es umständlich Barrieren zu vermeiden. Sie sind es so gewöhnt wie es ist. Mit Treppen und Ampeln und Telefonen.

Manchmal machen auch behinderte Menschen Barrieren für andere behinderte Menschen. Das kann jedem von uns passieren.

 Was heißt Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit heißt, dass es keine Barrieren gibt. Das klingt sehr einfach, ist es aber nicht. Weil Barrieren überall sind und weil sie so verschieden sind. Wenn es im Bahnhof zum Beispiel gute Aufzüge gibt, ist eine Barriere für Rollstuhlfahrer verschwunden. Wenn die Ansagen aber nur über Lautsprecher kommen, gibt es noch Barrieren für gehörlose Menschen. Der Bahnhof ist dann nicht barrierefrei.

Es sind nur wenige Orte ganz und gar barrierefrei. Manche Orte sind barrierearm. Das heißt es gibt dort nur wenige Barrieren.

Was kann man gegen Barrieren machen?

Es ist wichtig, dass alle Menschen mithelfen Barrieren abzubauen. Darum ist es wichtig, dass alle Menschen etwas über Barrieren und Behinderungen lernen. Es gibt so viele Behinderungen und Barrieren. Sie müssen also sehr viel lernen.

Lernen braucht Zeit. Und man braucht gute Lehrer. Behinderte Menschen wissen am besten was Barrieren sind. Also sind behinderte Menschen die besten Lehrer.

Darum ist es wichtig behinderte Menschen zu fragen. Und es ist wichtig, dass wir anderen Menschen erklären welche Barrieren es gibt. Das ist manchmal ganz schön anstrengend. Darum ist es gut, wenn es Anleitungen gibt.

Welche Barrieren gibt es für autistische Menschen?
Was kann man dagegen machen?

Autistische Menschen sind unterschiedlich. Sie haben verschiedene Barrieren. Manche Sachen sind aber bei vielen Autisten gleich.

Ich erkläre ein paar Beispiele für Barrieren.
In Grün erkläre ich was man am besten dagegen machen kann.

  • Telefonieren – Manche Autisten können nicht sprechen. Manche können sprechen, aber nicht am Telefon. Manche haben Angst vor dem Telefonieren. Manche wissen nicht wie man telefoniert und was sie sagen sollen.
    • Keine Telefonate von Autisten verlangen.
    • Besser ist E-Mail-Schreiben.
    • Briefe sind auch okay.
  • Gruppen – Viele Autisten haben Probleme in Gruppen. Sie verstehen die Regeln manchmal nicht. Sie verstehen manchmal nicht was die Anderen wollen. Und die Anderen verstehen die Autisten manchmal nicht. Oft erleben Autisten in Gruppen Gewalt und Mobbing. Gruppen sind oft laut und durcheinander. Das ist für Autisten auch ein Problem.
    • Keine Gruppenarbeit verlangen.
    • Klare und eindeutige Regeln.
    • Kleine Gruppen bevorzugen.
    • Nacheinander sprechen, nie mehrere Leute gleichzeitig.
    • Für Ruhe in der Gruppe sorgen.
  • Anfassen – Viele Autisten wollen nicht angefasst werden. Es ist schlimm für sie. Manchmal tut es ihnen weh. Auch wenn es nur ganz leicht ist oder aus Versehen passiert. Auch Händeschütteln ist ein Problem. Besonders schlimm ist es, wenn sie nicht vorher gefragt werden.
    • Kein Händeschütteln zur Begrüßung oder zum Abschied.
    • Nicht Anfassen ohne vorher zu fragen.
    • Aufpassen, dass man Autisten nicht aus Versehen anrempelt.
    • Ein bisschen Abstand halten, z.B. beim Schlangestehen.
  • Gespräche – Viele Autisten verstehen nur schlecht Ironie. Sie verstehen alles wörtlich und bemerken nicht den Tonfall. Sie meinen was sie selber sagen auch wörtlich. Sie sind meistens sehr ehrlich. Manchmal hört sich das unhöflich an, aber es ist nicht so gemeint. Manche Autisten können nicht mit dem Mund sprechen. Manche können nur in bestimmten Situationen sprechen und manchmal nicht.
    • Ganz direkt und genau sagen was man meint.
    • Sarkasmus und Ironie vermeiden. Wenn doch dann dazu sagen, dass es ironisch gemeint ist. (Manche Autisten verwenden selbst viel Ironie. Aber sie verstehen es trotzdem bei Anderen nicht immer.)
    • Nicht „zwischen den Zeilen“ lesen. Autisten meinen was sie sagen.
    • Direkte und ehrliche Aussagen nicht persönlich nehmen.
    • Nicht erwarten, dass Menschen mit dem Mund sprechen. Schreiben statt sprechen, auf Papier oder mit Talker / Apps.
    • Manche Autisten sprechen in Gebärdensprache.
  • Geräusche – Viele Autisten vertragen keinen Lärm. Sie hören alle Geräusche gleichzeitig. Auch wenn sie ganz leise sind. Laute Orte sind für Autisten nicht barrierefrei. Auch viele leise Geräusche sind für Autisten wie Lärm.
    • Geräusche so gut es geht vermeiden. Zum Beispiel durch leise Computer und Maschinen.
    • Nicht mehrere Gespräche im gleichen Raum.
    • Keine Hintergrundmusik. Kein Radio, kein Fernseher nebenbei.
    • Laute Umgebungen ankündigen. Dann kann man Ohrstöpsel mitbringen.
    • Auf Veranstaltungen einen Ruheraum haben, in den man jederzeit alleine gehen kann.
    • Geräusche durch Textilien dämpfen. Zum Beispiel Untersetzer am Tisch.
  • Licht – Viele Autisten vertragen keine Neonröhren. Auch keine helle Lampe oder blinkende Lichter. Auch Tageslicht oder Sonnenlicht sind für viele Autisten ein Problem.
    • Keine Neonröhren. Keine Blinklichter. Kein grelles Licht.
    • Rollos oder Vorhänge verwenden. Das ist gut gegen Leuchtreklamen und Straßenlaternen.
    • Veranstaltungen draußen nicht in praller Sonne. Die Möglichkeit in einen dunklen Innenraum ausweichen zu können.
  • Geruch – Für viele Autisten sind Gerüche sehr intensiv. Auch schöne Gerüche sind für Autisten oft unangenehm. Duftlampen zum Beispiel. Oder Parfum. Das ist für manche Autisten so schlimm, dass sie es garnicht aushalten können.
    • Kein Raumduft. Keine Duftkerzen, auch nicht wenn sie aus sind. Keine Duftlampen.
    • Keine Duftbäumchen im Auto.
    • Wenn möglich kein Parfum. Keine stark riechende Creme oder Deo.
    • Wäsche für Autisten geruchsneutral waschen. Oder fragen welches Waschmittel der Autist mag.
    • Auf Sauberkeit achten. Damit keine Gerüche entstehen.

Manche Autisten finden nicht alles gleich schlimm. Für manche gibt es noch andere Barrieren. Am besten ist es zu fragen. Viele Autisten mögen direkte Fragen. Fragen Beantworten ist leichter als selbst mit Reden anzufangen.

Autismus kann man nicht sehen. Trotzdem sind Barrieren für Autisten echte Barrieren. Sie können sie auch nicht überwinden, wenn sie sich anstrengen. Jedenfalls nicht sehr lange. Man soll das also nie von Autisten verlangen. Genau wie man nicht von einem Rollstuhlfahrer verlangt, Treppen zu steigen.

Ihr könnt als Kommentar gerne schreiben welche Barrieren ihr noch kennt. Und was man dagegen machen kann auch. Ich würde mich freuen 🙂

An alle möglichen Barrieren zu denken ist anstrengend. Für mich ist es zum Beispiel anstrengend kurze Sätze zu schreiben. Aber man gewöhnt sich daran. Man muss bloß genug üben an Barrieren zu denken. Manchmal ist es auch spannend, wenn man etwas Neues ausprobiert. Barrierefreiheit ist nicht nur anstrengend. Es macht auch Spaß kreative Lösungen zu finden 🙂

Eure Anna

Der aktuelle Stand – mal wieder :)

Hallo!

Ein kleines Update von mir.

Mittlerweile bestehen wir aus 5 Personen. Wir leben uns in unserem Forum ein und beginnen uns ein wenig kennenzulernen. Das finde ich sehr spannend! Außerdem verhandeln wir gerade die Rahmenbedingungen für unsere Gruppe, bisher haben sich dabei noch keine in Konflikt stehenden Vorstellungen ergeben. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns auf einen guten Rahmen einigen werden, auch wenn noch nicht alle ihre Bedürfnisse mitgeteilt haben. Aber wir haben ja auch genug Zeit und wir müssen nichts überstürzen.

Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in neutralem Umfeld läuft auch gerade an, während parallel dazu nach einem geeigneten Wochentag gesucht wird.

Es geht also voran und ich freu mich sehr darüber 🙂

Wenn wir all diese organisatorischen Fragen zufriedenstellend geklärt haben, wird auch die Erstellung eines Flyers aktuell.

Wir haben noch Platz für 2 – 3 autistische Menschen, die gerne mit uns gemeinsam eine selbstverantwortete Autistengruppe aufbauen möchten. Von Autisten für Autisten, weil wir für uns selbst eintreten wollen. Unter Kontakt findet ihr Hinweise dazu, wie ihr uns erreichen könnt.

Anna

 

 

Stellungnahme zur Stellungnahme von Autismus Deutschland e.V. zur Berichterstattung der Bildzeitung

Der folgende Artikel entstand als Reaktion auf eine Stellungnahme des Vereins „Autismus Deutschland“, die mittlerweile nicht mehr einsehbar ist. Autismus Mittelfranken, unser regionaler „Ableger“ des Vereins, hatte die Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht und später gelöscht. Das wurde von Vielen positiv aufgenommen, die fehlende Entschuldigung bzw. Erklärung dazu stieß allerdings auf Kritik. Viele fühlten und fühlen sich in ihrer Verletztheit und Wut ignoriert und nicht ernst genommen.

Ich habe hier klare Worte als Reaktion auf die Stellungnahme verfasst und Autismus Mittelfranken direkt angesprochen. Mittlerweile hat der Verein hierüber den Austausch gesucht und sich für die unkritische Veröffentlichung der falsch formulierten Stellungnahme entschuldigt. Ich hab mich darüber sehr gefreut. Es passiert nicht so oft, dass man mit seiner Kritik und seinen Anliegen ernstgenommen wird und Fehler eingestanden werden. Das repektiere ich sehr.

Meine inhaltliche Kritik am Vorgehen des Bundesverbandes bleibt trotzdem bestehen und darum bleibt auch diese Stellungnahme hier natürlich wo sie ist!

Trotzdem wollte ich diese Information gerne vorweg schicken. Es lohnt sich, miteinander zu sprechen und zu erklären. Auch wenn es oft frustrierend ist, trotz Erklärungen nicht verstanden zu werden. Manchmal wird man von einer respektvollen und achtsamen Reaktion überrascht, wo man sie nicht erwartet hätte.

Anna

Disclaimer: Ich, Anna, schreibe das nicht im Namen der ganzen Gruppe, sondern um meine persönliche Meinung auszudrücken. Wir sind eine Gruppe von selbstständig denkenden Autisten und diese Plattform kann jedes Gruppenmitglied nutzen, um selbstständig Artikel zu veröffentlichen.

Autismus Mittelfranken e.V. veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite heute eine Stellungnahme von Autismus Deutschland e.V. (Update: Der Artikel wurde ohne Erklärung entfernt.)

Der Verein stellt sich in dieser Stellungnahme in die Öffentlichkeit und erhebt den Anspruch darauf, die „Belange von Menschen mit Autismus und dem Asperger-Syndrom sowie ihren Angehörigen“ zu vertreten. Der Verein hat sich dieses Vertretungsrecht – bezüglich der Autisten – ungebeten angeeignet, es wurde ihm nicht von uns Autisten übertragen. Es ist überhaupt nicht möglich, dass eine einzelne Organisation die Interessen aller Autisten vertreten kann. Wir sind sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Bedürfnissen. Wenn überhaupt, dann sind nur Zusammenschlüsse von autistischen Menschen selbst in der Lage diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Autismus Deutschland e.V. ist nun ausdrücklich keine Interessensvertretung von Autisten. Es ist eine Angehörigenvertretung und in dieser Funktion hat der Verein sicherlich auch viel Gutes geleistet.

Autismus Mittelfranken e.V., als regionale Variante des Vereins, hat in unserer Region Schulen für autistische Kinder realisiert, berät Familien und macht diverse andere Angebote. Es liegt mir fern dieses Angebot abzulehnen oder schlecht zu machen. Ich weiß noch viel zu wenig über die einzelnen Angebote, um mir überhaupt eine Meinung bilden zu können. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft, sofern sich die Gelegenheit bietet. Ich würde zum Beispiel sehr gerne sehen, wie wir autistischen Kindern in Mittelfranken im Hinblick auf ihre Schullaufbahn gerecht werden. Aber darum geht es hier heute nicht.

Als erwachsene Autistin fühle ich mich einfach nicht durch eine Vereinigung vertreten, die nicht aus den Menschen besteht, die sie zu vertreten behauptet. Das ist auch schon alles. Eine Interessensvertretung von niedergelassenen Orthopäden besteht ja nunmal auch nicht aus den Eltern der Ärzte. Aus gutem Grund. Wer würde sie dann noch ernstnehmen? Und was wissen die Eltern wirklich über die Anliegen ihrer Kinder, wenn sie selbst nie in ihrer Lage waren? Sicherlich ein bisschen mehr, als ein Fremder auf der Straße, aber doch nicht genug, um öffentlich für sie sprechen zu können.

Und genau das ist das Problem, das ich habe, wenn Elternvereinigungen wie Autismus Deutschland e.V. öffentlich meine Interessen zu vertreten behaupten. Ich fühle mich bevormundet, übersehen und nicht ernst genommen. Das ist das Gegenteil von meine Interessen vertreten. Wir Autisten haben oft genug das Problem, uns nicht so ausdrücken zu können, dass die Allgemeinheit uns richtig versteht. Wir haben oft genug das Problem, dass wir nicht gefragt werden, sondern dass über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, was andere Menschen für das Beste halten ohne je in unserer Lage gewesen zu sein. Wir haben oft genug das Problem, dass man uns nicht ernst nimmt, weil wir uns garnicht mündlich oder ungewöhnlich ausdrücken. Das Allerletzte, was wir brauchen, ist eine Interessensvertretung, die behauptet für unsere Belange einzutreten, und dann doch genau die Dinge macht, unter denen wir schon zur Genüge leiden.

Genau das hat Autismus Deutschland e.V. in oben verlinkter Stellungnahme leider getan. Es ist grundsätzlich gut, dass jemand klarstellt, dass Autisten nicht das sind, als was die Bildzeitung sie darstellt. Der Begriff Autismus wird in den Medien allzu häufig aufs Äußerste missverstanden und sehr falsch eingesetzt. Ich empfehle hier sehr die Reaktion einer anderen autistischen Blogautorin auf den Bild-Artikel.

Als Begründung, warum es überhaupt nicht sein könne, dass die beiden Mörder des Taxifahrers aus Prag das Asperger-Syndrom hätten, führt Autismus Deutschland e.V. an, dass Asperger-Autisten überhaupt nicht in der Lage wären planvoll vorzugehen und eine Reise ins Ausland zu unternehmen, um dann dort jemanden umzubringen. Die beiden Männer könnten also gar keine Autisten sein. Die Absurdität dieser Aussage sollte eigentlich Jedem einleuchten. Es ist mir unbegreiflich, wie überhaupt ein Mensch zu so einer Tat fähig sein könnte, vollkommen unabhängig von Autismus. Es spielt einfach keine Rolle. Diese logische Argumentation ist vollkommen falsch. Dass wir nicht planvoll vorgehen oder Auslandsreisen unternehmen könnten, zu welchem Zweck auch immer, ist an Absurdität schon kaum noch zu überbieten. Das passiert leider, wenn Menschen, die selbst nie erlebt haben, wovon sie da eigentlich sprechen, öffentliche Stellungnahmen verfassen. Obwohl ich zugeben muss, dass ich einer Elternvereinigung wie Autismus Deutschland e.V. zugetraut hätte, etwas besser über Autismus informiert zu sein.

Ja, es gibt viele Autisten, die Schwierigkeiten damit haben sich an unbekannten Orten zurechtzufinden oder denen es einfach Unbehagen bereitet, unvertraute Orte aufzusuchen. Speziell Asperger-Autisten (aber nicht nur diese!) sind jedoch oft sehr intelligent, führen ein selbstständiges Leben und sind sehr für ihre Affinität zu detaillierten Planungen bekannt. Wir sind oft sogar sehr gute Planer, weil es uns Sicherheit gibt, wenn wir etwas genau vorhersehen können. Natürlich trifft das nicht auf jeden Autisten zu, wir sind in erster Linie Individuen. Ich habe in meinem bisherigen Leben viele Reisen unternommen. Nicht nur habe ich sie für mich alleine geplant, ich habe das sogar für andere Menschen mit übernommen. Weil ich gut darin bin. Ich plane eigentlich ständig irgendetwas. Zum Beispiel eine Gruppe von und für Autisten in Mittelfranken und sehr oft gelingen meine Pläne.

Es ist also schlicht falsch, dass Asperger-Autisten nicht dazu in der Lage wären, so etwas zu unternehmen. Es vermittelt ein falsches Bild, auch wenn die Beweggründe uns nicht als „gestörte Killer“ dargestellt sehen zu wollen, gut sein mögen.

Autismus Deutschland e.V. „bittet um Verständnis und Respekt gegenüber Menschen mit Autismus.“. Ich bitte nicht darum, ich fordere Respekt, denn er steht mir zu.

Ich wüsste sehr gerne, wie die Damen und Herren des Vereins Autismus Mittelfranken e.V. zu dieser Stellungnahme stehen, die sie auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht haben. Immerhin haben wir ein gemeinsames Ziel: wir wollen etwas Positives für autistische Menschen in unserer Region bewirken. Ein falsches Bild von Autismus zu vermitteln, trägt sicherlich nicht zu mehr gegenseitigem Verständnis bei.

Über eine Antwort würde ich mich deswegen sehr freuen.

Anna