Bea stellt sich vor

Es ist für mich gar nicht so einfach, mich vorzustellen, wenn man bedenkt, was sich der Andere „vorstellt“ bei meinen Worten. Aber ich will  versuchen, über mich einen kleinen Einblick zu geben.

Ich bin hier bei Autland „gelandet“, weil ich Asperger Autistin bin. Offiziell bin ich das noch nicht lange, wenn man bedenkt, dass ich schon 39 Jahre alt bin. Die Diagnose habe ich erst nach unzähligen Arzt/Psychologen/Psychiater-Besuchen und nach geschätzten 3 Jahrzehnten erhalten. Hätte ich nicht auch einen autistischen Sohn, hätte ich sie wohl nie bekommen, denn erst durch ihn habe ich immer mehr eine Idee bekommen, was mit mir los ist.

Dazu habe ich noch 4 weitere Kinder (eines ist im Grunde kein Kind mehr, denn ab 18 Jahren zählt man ja als Erwachsener) und einen Mann, mit dem ich seit 13 Jahren zusammenlebe (wer rechnen kann, dem ist gerade etwas aufgefallen 🙂 ) und der mich so nimmt, wie ich bin.

Nach „außen“ bin ich nicht sonderlich auffällig, was wohl daran liegt, dass eines meiner Spezialinteressen das menschliche Verhalten ist und ich es schon seit ich denken kann analysiert habe. Schon im Kindergarten ist mir aufgefallen, dass sich die anderen Kinder anders verhalten haben und mit der Zeit habe ich immer mehr gelernt, mich anzupassen, besser gesagt zu „kopieren“. Jeder Verhaltenstherapeut wäre erfreut über mich und ich habe im Laufe des Lebens auch viele Komplimente bekommen, wie positiv ich mich doch verändert hätte. Schön, dass es den Leuten gefällt, aber für mich ist das immer mehr zur Qual geworden. Ich verlasse kaum noch die Wohnung – manchmal wochenlang nicht – weil mich diese Anpassung mittlerweile so anstrengt. Eine Alternative wäre wohl, mich nicht mehr anzupassen – aber ob dann noch jemand etwas mit mir zu tun haben möchte? Das ist auf jeden Fall eine Sache, die mich noch eine ganze Weile begleiten wird.

Ansonsten bin ich sehr gerechtigkeitsliebend. Was wohl auch dazu geführt hat, dass ich, nachdem ich das Abitur auf einer BOS inmitten lauter ca. 20-Jährigen Mitschüler nachgeholt habe (auch eine Zeit, die mich sehr geprägt hat) mit dem Jura-Studium begonnen habe. Dies studiere ich noch immer, allerdings bin ich inzwischen nicht mehr glücklich damit. Mein Ziel war es immer, mich für benachteiligte Menschen einzusetzen – das hat nicht viel mit Jura zu tun. Aber mein Ziel werde ich trotzdem weiter verfolgen, wenn auch möglicherweise mit anderen Mitteln. Mein Traum ist es, eine Begegnungsstätte für uns Asperger-Autisten zu schaffen, mit ganz vielen verschiedenen Möglichkeiten, wo es Hilfe und Beratung gibt, aber auch Gruppen, in denen man ganz ungezwungen diskutieren, kochen, basteln und sonstiges machen kann. Möglicherweise auch mit einem Café, in dem wir Autisten uns wohl fühlen könnten.

Zurzeit brauchen mich meine Kinder noch, auch wenn sie immer selbstständiger werden. Am meisten Unterstützung benötigt allerdings noch immer mein 15-Jähriger Sohn, der inzwischen, nach mehreren Schulwechseln, die 9. Klasse eines Gymnasiums besucht – mit Schulbegleiter. Auch für ihn ist es mir wichtig, Aufklärung zu leisten und zu „dolmetschen“. Mir wird immer wieder klar, dass sich viele NT´s genauso wenig in unsere Welt hineinversetzen können, wie wir in ihre, wobei ich inzwischen schon ganz gut in „NT-Sprache“ bin (was als Nebenwirkung aber dazu führt, dass Autisten Probleme mit dem Verständnis haben). Mein Sohn allerdings spricht „autistisch“ pur, was einerseits sehr schön ist, aber wiederum zu Missverständnissen mit NT´s führt.

Ich merke schon, ich könnte noch einen Roman schreiben :-). Ich werde einfach von Zeit zu Zeit mehr aus meinem Leben berichten und ich bin auch offen für Anregungen, z.B. freue ich mich immer sehr, wenn Mütter von autistischen Kindern um „Übersetzung“ bitten. Es ist nicht schlimm, wenn man sein Kind nicht immer versteht und dies auch offen zu sagen, finde ich anerkennungswert. Ich kenne inzwischen einige NT´s, die durch Autisten wie mich schon sehr gut „autistisch“ gelernt haben. Eine gemeinsame Sprache wird es wohl nicht geben – aber einander zu verstehen und zu akzeptieren, das wäre schon ein großer Schritt.

 

 

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