Autismus Deutschland und ABA – zur aktuellen Situation

Ich habe schon früher darüber geschrieben: „Sich positionieren – in Sachen ABA„. Über die Schwierigkeit von Fachleuten, Verbänden, Einzelpersonen und Vereinen in Sachen ABA Position zu beziehen. Und ich habe Autismus Deutschland, als größte deutsche Organisation, die öffentlich als Sprachrohr für Autisten auftritt, aufgefordert Stellung zu beziehen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Regionalverbände, die Autismus Deutschland angehören, verschiedene Standpunkte vertreten. Sie sind in Sachen ABA so verschieden, dass sie in meinen Augen nicht vereinbar sind. Auf der einen Seite haben wir Autismus Karlsruhe, eng verbunden mit der gewinnorientierten Firma Knospe ABA GmbH und Keimstätte der meiner Ansicht nach sehr radikalen Vereinigung der „ABA-Eltern“. Auf der anderen Seite haben wir mit Autismus Mittelfranken einen Regionalverband, der sich um eine respektvolle Zusammenarbeit mit erwachsenen Autistinnen sowie Fachleuten bemüht, mittlerweile eine Autistin im Vorstand hat und sich kritisch mit ABA auseinandergesetzt hat.

Als Reaktion auf diese Stellungnahme von Autismus Mittelfranken, die einstimmig durch den Vorstand verabschiedet wurde, erfolgten persönliche Attacken weit unter der Gürtellinie auf die Autorin des Textes und eine in manipulativer Rhetorik verfasste Gegendarstellung der Firma Knospe ABA GmbH (Dem rein kommerziellen Interesse einer gewinnorientierten Firma angemessen. Werbung manipuliert Menschen schließlich permanent dahingehend Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen). Darüber hinaus wurde diese Stellungnahme durch erwachsene Autisten und sehr viele Eltern von autistischen Kindern sehr positiv aufgenommen. Diese Stellungnahme wurde als längst überfälliger Schritt angesehen. Als Schritt hin zu mehr Akzeptanz und Respekt für autistische Menschen und als Signal, dass es Eltern gibt, die bereit sind unsere Anliegen ernstzunehmen. Etwas, das die autistische Community sich schon sehr lange von Autismus Deutschland wünscht. Und es ist ein Anstoß sich endlich mit der Frage der Ethik in der Autismus-Therapie und -Forschung auseinanderzusetzen. In ihrer eigenen Zeitschrift „autismus“ haben Fachleute aus den Reihen von Autismus Deutschland diese Notwendigkeit hervorgehoben und sich kritisch mit ABA befasst.

Wissenschaftlerinnen, die sich mit Autismus und ABA befassen, haben seit jeher ein gespaltenes Verhältnis zu ethischen Fragestellungen. Als Begründung dafür, warum keine kontrollierten Studien zu ABA durchgeführt würden, führten die Vertreter an, dass es unethisch sei den Kindern der Kontrollgruppe die einzig wahre Therapie – ABA – vorzuenthalten. Auf der anderen Seite herrscht die Meinung bei ABA-affinen Wissenschaftlern vor, dass „gute Wissenschaft und gute Ethik mit Autismus nicht vereinbar sind“

Über ihre emotionale Aussage gab es einen positiven Bericht im Newsletter der Association for Science in Autism Treatment (ASAT), die sich mit ihrer Unterstützung der Autismus-ABA-Industrie hervorgetan hat. Auf deren Website und im Newsletter wirft ASAT mit ihren strengen wissenschaftlichen Standards um sich, und sie sind Bestandteil ihrer Mission. Mit der Autorität ihres mächtigen Beirats verkündete ASAT, dass gute Wissenschaft und gute Ethik mit Autismus nicht vereinbar sind. Ferner, dass Ethik für Autismus-Forschung verheerend wäre, und die Hoffnung der Eltern von Autist_innen allerorten erlöschen würde.

(Quelle: http://autismus-kultur.de/autismus/politik/fehlverhalten-der-verhaltensanalytiker.html)

In die Reihe dieser Äußerungen stellt sich auch die Einschätzung des „Wissenschaftlichen Beirats“ von Autismus Deutschland. Auch hier ist bekannt, dass diesem Beirat viele Fachleute angehören, die bereits früher durch ihre Befürwortung von ABA aufgefallen sind. Die Aussage dieses Beirats ist also nichts weiter, als eine weitere Äußerung einer einschlägig voreingenommenen Gruppe von Menschen. Und es ist eine weitere Äußerung, die den eigentlichen Punkt in der Diskussion um ABA verfehlt.

Ich arbeite selbst für eine Universität. Ich halte viel von Wissenschaft. Und ich weiß, dass Wissenschaft ohne ethische Standards sehr gefährlich ist. Ich weise hier nur darauf hin, dass die „Wirksamkeit“ von ABA vor allem auf Studien zurückgeführt wird, die eine systematische Anwendung von körperlicher Gewalt gegen autistische Kinder untersucht haben. Sie wurden wiederholt geschlagen und es wurde beobachtet, ob das zum Erfolg führt. Es geht und ging niemals um eine respektvolle, würdevolle Behandlung von autistischen Kindern. Es ging um messbare, beobachtbare Ergebnisse in Form von antrainierten Verhaltensweisen. Nur, weil jemand etwas als „wissenschaftlich“ bezeichnet, sagt das noch garnichts über die Qualität oder die ethische Vertretbarkeit aus.

Nicht ein voreingenommener Wissenschaftlicher Beirat, sondern ein Ethik-Beirat sollte sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die Anwendung von ABA eine ethisch vertretbare Methode ist. Wissenschaft ist nur ein Werkzeug, mit dem die ABA-Industrie ihre Produkte zu vermarkten versucht. Was Autistinnen, Eltern und Fachleute kritisieren ist nicht (nur) die Wissenschaftlichkeit der Methode, sondern deren ethische Vertretbarkeit. Unzählige Autistinnen und Eltern warten darauf, dass der Vorstand von Autismus Deutschland diesen Umstand erkennt, die Schlussfolgerungen seines Wissenschaftlichen Beirats unter ethischen Gesichtspunkten überprüft und sich seinen fragwürdigen Aussagen nicht anschließt. Darüber hinaus sollte über eine ausgeglichenere Besetzung des Beirats nachgedacht werden und die Gründung eines Ethik-Beirats erfolgen.

Sollten diese Argumente noch nicht ausreichen, hilft es übrigens sich Folgendes zu vergegenwärtigen. Autismus Karlsruhe als Regionalverband von Autismus Deutschland, hat die interne Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats direkt zur Knospe ABA GmbH und den ABA-Eltern weitergereicht. Im selben Atemzug verwendet Karlsruhe die Aussagen des Beirats, um ihre eigenen Fortbildungen zu verkaufen. Ich stelle hier ernstlich in Frage, welche Interessen vertreten werden und wer daran verdient. Statt eine Aussage des Bundesverbandes abzuwarten, veröffentlicht Karlsruhe einfach mal eigenmächtig eine interne Stellungnahme und legt diese Aussage zudem gleich noch dem Bundesverband in den Mund. Man möge sich sein eigenes Urteil über dieses Manöver bilden und sich fragen, wer davon profitiert.

Persönlich bin ich außerdem der Meinung, dass es extrem unprofessionell und entlarvend ist, wenn der Wissenschaftliche Beirat einen Regionalverband aus engagierten Eltern, die beständig den Dialog mit Autistinnen und Fachleuten suchen, als „fundamentalistisch“ bezeichnet. Da hat wohl jemand seine persönlichen Gefühle nicht ganz im Griff gehabt. Ganz im Sinne der Wissenschaft natürlich.

Anna

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32 Gedanken zu „Autismus Deutschland und ABA – zur aktuellen Situation

  1. Atari-Frosch

    Als Begründung dafür, warum keine kontrollierten Studien zu ABA durchgeführt würden, führten die Vertreter an, dass es unethisch sei den Kindern der Kontrollgruppe die einzig wahre Therapie – ABA – vorzuenthalten.

    Das hier stach mir sofort ins Auge. Genau diese Argumentation hörte ich letztes Wochenende in Kassel. Geäußert wurde sie aber nicht von ABA-Befürwortern, sondern von MMS-Jüngern:

    Umgekehrt argumentierte (nicht nur) er, daß Studien mit Placebo-Gruppe ja gar nicht gingen, weil dann ja ein Teil der Studienteilnehmer nicht mit dem tollen neuen Medikament behandelt würden und dann vielleicht sogar sterben müßten.

    (Aus meinem Blogartikel #nospiritofhealth Kassel 2015 – Tag 1)

    Das finde ich jetzt schon ein wenig … verstörend.

    Antwort
    1. Wolle

      Ohne auf das eigentliche Thema eingehen zu wollen, wieso ist es verwerflich „gewinnorientiert“ zu sein? Ich behaupte, alles ist heutzutage gewinnorientiert, z. B. eine Praxis für Logopdie, ein Hausarzt usw. usw.. Selbst Beamte werden am Mehrergebniss gemessen und beurteilt. Ich halte dieses – neben anderem in dem Beitrag auch – für reine Polemik und völlig am Thema vorbei.

      Antwort
      1. Atari-Frosch

        Es ist natürlich nicht generell verwerflich, gewinnorientiert zu arbeiten. Verwerflich ist es aber, das mit einem (Selbst-)Hilfeverein zu vermixen und diesen in sein Marketing einzuspannen. Erst recht, wenn dabei schädliche Methoden verkauft werden sollen.

        In anderen Bereichen wird ausdrücklich davor gewarnt, daß gewinnorientierte Firmen versuchen, in Selbsthilfegruppen einzusickern, um dort „neue Märkte“ zu erschließen. Das ist einfach nicht der Sinn von Selbsthilfegruppen (egal ob Verein oder nicht).

      2. annaautland Autor

        Korrekt. Ich kritisiere nirgends die Gewinnorientierung eines Unternehmens an sich, ich hebe sie nur hervor, da sie gerne ausgeblendet wird. Was ich kritisiere ist, dass ein als gemeinnützig anerkannter Verein (Autismus Karlsruhe) mit unsauberen Methoden direkt derartige Firmeninteressen unterstützt, indem er eine interne Einschätzung des Beirats direkt an die Knospe ABA GmbH weiterleitet.

        Abgesehen davon habe ich auch ein Problem damit, auf welche Weise mit ABA Geld verdient wird, ja. Es wird behauptet, es ist eine wirksame Therapie und damit ist es eine Heilbehandlung. Ich sehe keinerlei dafür notwendige Qualifikationen bei den Anbietern. Aber das ist, wie gesagt, ein anderes Thema. Genau wie die Tatsache, dass „Studien“ zum Zwecke der Vermarktung angefertigt werden und nicht von neutraler Seite. All das spielt sehr wohl eine Rolle.

  2. mbrucke

    Sehr geehrte Anna

    ABA-Eltern ist ein Verein von Eltern, der ABA anwendet und keine radikale Vereinigung. Wir stehen auch in keinerlei spezieller Verbindung mit Knospe ABA, außer dass wir natürlich die deutschen Anbieter von ABA kennen. ABA-Eltern e.V. ist gemeinnützig und nicht gewinnorientiert. Wir wenden keine unsauberen Methoden an und unterstützen auch keine Firmeninteressen von irgendwem.

    Ich diskutiere gerne objektiv über alles mögliche, die obigen Aussagen sind mir aber zu uninformiert, dogmatisch und hasserfüllt, aus irgendeinem Grund darf man gegen uns schießen, ohne uns zu kennen und uns Dinge unterstellen, die so nicht richtig sind?

    Ich fordere Sie hiermit auf, diese obigen Aussagen über ABA-Altern zurück zu nehmen und nicht öffentlich zu wiederholen, da sie eine Verleumdung gemäß §187 BGB darstellen.

    Gruß

    Matthias Brucke

    PS: Ich sollte das wissen, da ich ABA-Eltern e.V. mitgegründet habe und sein aktueller Vorsitzender bin. Unser Ziel als Eltern von autistischen Kindern ist es, anderen Eltern mit unseren Erfahrungen zu helfen und sie zu unterstützen. Ich finde es traurig, so angefeindet zu werden!

    Antwort
    1. annaautland Autor

      Sehr geehrter Matthias,

      da haben Sie wohl die falschen Schlüsse aus den richtigen Worten gezogen. Sie fühlen sich durch Aussagen angesprochen, die ich bezüglich Autismus Karlsruhe getätigt habe. Das war wohl nicht deutlich genug und das werde ich gerne nachholen. Immerhin hat eine Dame aus dem Karlsruher Verein die interne Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats an die Knospe ABA GmbH weitergeleitet und nicht Sie. Es besteht also kein Grund zur Besorgnis, Sie sind garnicht gemeint.

      Ich kann gut verstehen, dass es Sie traurig macht, dass ich Sie für eine radikale Vereinigung halte. Mich macht es auch traurig und wütend, was autistischen Kindern angetan wird. Ich werde deutlicher kennzeichnen, dass es sich hierbei nur um meine persönliche Meinung handelt, dann müssen Sie sich nicht verleumdet, nur kritisiert fühlen. Ich halte ABA für sehr radikal und eine Vereinigung von Eltern, die sich so sehr damit identifiziert, dass sie sich ABA-Eltern nennt, ebenso. Mein unangepasster autistischer Geist ist frei zu denken und zu meinen, was er will. Ich verstehe, dass Sie so etwas nicht gewohnt sind.

      Einen schönen Sonntag noch,
      Anna

      Antwort
      1. mbrucke

        Nein, ich ziehe keine Schlüsse, sondern zitiere Ihre Äußerungen. Lesen Sie meinen Text bitte genau und reden sich jetzt nicht raus. Wenn Sie sich ein wenig mit uns ABA-Eltern beschäftigt hätten, dann würden Sie so etwas nicht schreiben.

        So radikal sind wir übrigens gar nicht, wir sind nur besorgte Eltern, die sich für einen evidenzbasierten, wissenschaftlichen Therapieansatz interessieren und die das beste für Ihre Kinder wollen. Mehr nicht. Ich habe, bevor wir ABA gefunden haben, so viel schlechte, unspezifische Therapie erlebt, dass mir noch ganz schlecht wird, wenn ich daran danke, dass wir so viel Zeit verloren haben.

        Obwohl: evtl. sollte man noch etwas radikaler werden und gegen die Leute vorgehen, die mit veralteten, nicht-evidenzbasierten und unspezifischen Pseudo-Therapien arbeiten? Es gibt viele angebliche Ansätze, die deutlich schlechter sind, als ABA, es gibt aber dummerweise mehr Leute, die damit Geld verdienen und deren Geschäft von den wenigen Leuten, die ABA professionell anbieten gestört wird. Für mich ist der zentrale Punkt die Frage, ob eine Therapie wirkt oder nicht. Wo sind denn die Studien für die anderen Ansätze? Für meinen eigenen Sohn kann ich sagen: ABA wirkt und hat uns an einen Punkt gebracht, ab dem wir ABA nicht mehr benötigen.

        Welche Alternativen zu ABA würden Sie denn empfehlen, wenn Sie als Vater ein extrem autistisches, autoagressives Kleinkind von ca. 3 Jahren in der Familie haben, dass durch sein Verhalten das Familienleben zur Hölle macht? Unser Sohn ist mittlerweile 12 Jahre und wir können, dank gestützter Kommunikation mit ihm schreiben und halten es dank ABA zusammen in einem Haushalt aus ;). Er hat uns bestätigt, dass ihm ABA sehr geholfen hat und dass wir ohne ABA nicht in einen Modus gekommen wären, mit ihm kommunizieren zu können. Wenn wir ABA nicht gehabt hätten, wäre unsere Familie zerbrochen und unser Sohn wäre im Heim, wo er medikamentös ruhig gestellt würde. Ist das die bessere Alternative?

        Als Vater eines Autisten bin ich Ihren „unangepassten autistischen Geist“ übrigens sehr wohl gewohnt, weil ich jeden Tag damit zu tun habe ;). Als ein Mensch, der auch aus der Wissenschaft kommt, versuche ich aber, mir die entsprechende Literatur zu besorgen, sie zu lesen und mir eine eigene Meinung zu bilden. Die aktuelle Diskussion über ABA wird sehr oft basierend auf Vorurteilen und Extrempositionen mit Schein-Argumenten geführt und basiert zum Teil auf Dingen, die auf modernes ABA/VB nicht mehr zutreffen.

        Danke immerhin für die halbe Richtigstellung

        Matthias Brucke

      2. annaautland Autor

        Wenn Sie sich ein wenig mit uns ABA-Eltern beschäftigt hätten, dann würden Sie so etwas nicht schreiben.

        Doch, genau deswegen schreibe ich so etwas.

        Im Übrigen ist das hier nicht die richtige Plattform oder der richtige Zeitpunkt für eine pro-ABA-Werbeveranstaltung. Soviel Respekt und Anstand darf ich von Ihnen als Gast auf unserem Blog erwarten.

        Als Antwort auf die üblichen „Ohne ABA wären Autisten verloren“-Argumente verweise ich Sie dennoch gerne auf: http://autismus-kultur.de/autismus/politik/fehlverhalten-der-verhaltensanalytiker.html sowie die unzähligen anderen Artikel, Stellungnahmen und Veröffentlichungen, die es dazu bereits gibt.

  3. butterblumenland

    Liebe Anna,

    ich klatsche dir für deinen Blogpost und insbesondere für die Antwort auf Herrn Brucke gerade richtig Beifall.

    Herr Brucke, Sie scheinen Ihre eigene Webseite wohl nicht besonders aufmerksam zu lesen. Dort wurde nämlich unter „Aktuelles“ eben diese – eigentlich interne – Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirates von Autismus Deutschland geteilt. Die ABA-Kritiker wurden darin als fundamentalistisch und polarisierend beschrieben.

    Diese Androhung rechtlicher Schritte, die übrigens vollkommen überzogen und ohne jede Grundlage ist, passt perfekt ins Bild der letzten Wochen. Menschen, die sich öffentlich gegen ABA stellen, werden auf persönlicher Ebene angegriffen. Sie werden diffamiert, ihnen wird Unwissen und Polemik unterstellt. Und jetzt werden sogar rechtliche Schritte angedroht. Für mich riecht das stark nach dem Versuch, die Kritiker schlicht mundtot zu machen.

    Antwort
    1. mbrucke

      Moin,

      ich habe bisher nicht persönlich gegen Anna oder Sie argumentiert oder irgendeine herabsetzende, pauschalierte Äußerung von mir gegeben, ich habe nichts verallgemeinert, niemanden persönlich angegriffen, niemanden diffamiert und auch nichts polemisches gesagt. Ich habe die die Sache aus meiner Sicht als Vater eines autistischen Sohns geschildert und Fragen gestellt. Auf diese wurde nicht eingegangen.

      Sie schreiben, Kritiker von ABA werden persönlich angegriffen? Und was machen Anna und Sie gerade? Sie greifen mich genau auf die Weise an, die Sie den anderen unterstellen. Lesen Sie meine Argumente und beantworten Sie bitte meine Fragen, die ich an Anna gestellt habe. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit meinem Sohn, ich habe vieles gelesen und ja, ich finde die Grundprinzipien von ABA gut. Ich bin aber auch nicht mit allem einverstanden, speziell, wenn es zu mechanistisch wird oder die Leute zu fundamentalistisch sind. ABA kann in der Reinform im echten Leben gar nicht funktionieren, aber vieles davon ist hilfreich. Ich stelle nochmal die Frage an die hier versammlten ABA-Gegner:

      Was ist die Alternative zu ABA bei einem verhaltensauffälligen, autoagressiven Autististen? Ich habe leider keine gefunden und bin froh, dass wir ABA angewandt haben, so lange bis wir auf einer anderen Ebene mit ihm kommunizieren konnten. Ich habe mir ca. 1.5 m Literatur zu verschiedensten Ansätzen bei Autismus angelesen und keinen anderen Ansatz gefunden, über den so viel geforscht und dokumentiert wird.

      Meine Anmerkungen zu Ihrem Blog-Post

      – Auslöser meines Kommentars war, dass Anna ABA-Eltern als „radikale Organisation“ bezeichnet hat und uns andere Dinge unterstellt hat. Dagegen verwahre und wehre ich mich.

      – Ich habe keine rechtlichen Schritte angedroht, sondern darauf hingewiesen, dass es sich bei den Äußerungen um üble Nachrede handelt. Bitte nicht verfälschen

      Die Stellungnahme habe ich übrigens mit der Bitte erhalten, sie einzustellen und selber auf die Seite von ABA-Eltern eingestellt, insofern ist sie mir natürlich bekannt. Wie sie sicher wissen, gibt es innerhalb von Autismus Deutschland viele Leute, die für und ebenso viele Leute, die gegen ABA sind. Bisher war die Mehrheit (mein Eindruck) eher dagegen, insofern fand ich es bemerkenswert, dass der wissenschaftliche Beirat eine solche Stellungnahme abgibt. Deswegen haben wir das veröffentlicht.

      Gruß

      Matthias Brucke

      PS: Ich denke, wir sollten die Diskussion, wie vorgeschlagen, hier beenden. Gerne lade ich Sie oder Anna ein, am jährlichen Treffen von ABA-Eltern (März 2016) in Kassel teilzunehmen, damit wir miteinander sprechen können. Wir sind nicht der Feind! 😉

      Antwort
      1. Mela

        Die Ausrichtung einer Gruppierung zu kritisieren, war noch nie ein _persönlicher_ Angriff. Wenn sich ABA-Eltern, -Forscher und Therapeuten durch Kritik an der Methode und Ausrichtung ihrer Organisationen persönlich angegriffen fühlen, wäre es eher an der Zeit zu überlegen, ob das Ganze nicht sektenartige Züge zeigt.

        Just my two cent.

      2. mbrucke

        ok, Damit hat die Diskussion einen Punkt erreicht, an dem sie keinen Sinn mehr macht ;).

      3. Mela

        Das war es im Prinzip schon seit der Forderung nicht mehr, die durch die Blume vermittelt wurde, dass die Methode nicht kritisiert werden darf, weil das einen Angriff auf die Eltern darstellt, die keinen andere Ausweg wissen.

        Alles toll im Lande ABA, wäre nur dieses Scheiss-Kind nicht, das ständig behauptet, der Kaiser habe gar keine Kleider an.

      4. butterblumenland

        Sehr geehrter Herr Brucke,

        mir scheint, Sie haben Schwierigkeiten, Texte sinnentnehmend zu lesen. Ich bezog mich in meinem Kommentar nur teilweise auf Sie persönlich bzw. Ihren Verein. Allerdings bleibe ich dabei, dass das Veröffentlichen der Stellungnahme ohne weiteren Kommentar ein deutliches Signal dafür ist, dass Sie diese Einschätzung über die Kritiker teilen. Sonst hätten Sie das wohl kaum umkommentiert übernommen. Von daher müssen Sie sich dann auch daran messen lassen.

        „Radikale Vereinigung“ ist immer noch keine Verleumdung und auch keine üble Nachrede (was übrigens auch 2 verschiedene Dinge sind).

        Für einen Angriff auf persönlicher Ebene von mir gegen Sie hätte ich gerne mal einen Beleg.

        Dies ist übrigens nicht „mein“ Blogpost, ich bin hier nur Kommentator. Allerdings schreibe ich auf meinem eigenen Blog ebenfalls gegen ABA. Bisher fühlte sich allerdings noch niemand der ABA-Befürworter bemüssigt, dort mal sachlich auf meine Beiträge zu antworten.

        Als Mutter eines autistischen Kindes, das mit 3 Jahren ein Verhalten zeigte, wie Sie es von Ihrem Sohn beschreiben, bin ich in der bequemen Position zu sagen: Es gibt andere Wege. Aus meiner Sicht weit bessere Wege. Sowohl für das Kind als auch für die Familie. Allerdings habe ich auch eine grundsätzlich andere Einstellung zu meinem Sohn. Ich würde niemals so weit gehen, ihm die Verantwortung für das Zerbrechen einer Familie in die Schuhe zu schieben (rw) oder das Zusammenleben mit ihm als „Hölle“ zu bezeichnen.

        Nur weil ABA besonders lange dokumentiert ist oder es viele Studien darüber gibt, bedeutet es nicht, dass der Ansatz besser ist als andere Möglichkeiten. Vor allem muss man bei den ABA-Studien sehr sorgfältig filtern. Wenn man nämlich alle Studien, in denen mit Gewalt (Aversiva, Schläge bis hin zu Elektroschocks) gearbeitet wurde, abzieht, bleibt auch nicht mehr allzu viel Verwertbares übrig.

        Aber es stimmt schon, wir müssen die Diskussion nicht hier und nicht jetzt führen. Ich bin aber jederzeit zum Dialog bereit. Möglicherweise komme ich auch auf das Angebot zurück, sich in Kassel ein eigenes Bild zu machen.

        Ich würde es allerdings noch sehr interessant finden zu erfahren, wer Ihnen die Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirates hat zukommen lassen mit der Bitte um Veröffentlichung.

      5. Anita

        Zitat: „ja, ich finde die Grundprinzipien von ABA gut. Ich bin aber auch nicht mit allem einverstanden, speziell, wenn es zu mechanistisch wird oder die Leute zu fundamentalistisch sind. ABA kann in der Reinform im echten Leben gar nicht funktionieren, aber vieles davon ist hilfreich“

        Sehr geehrter Herr Brucke,

        ich darf ihnen eine Frage zu dem obigen Zitat aus Ihrer Antwort stellen?

        Wenn Sie nur Teile von ABA nutzen, ist es dann überhaupt noch ABA?

        Als Mutter von vier autistischen Kindern, die im Alter von 0 – 6 Jahren extrem fordernd waren (weit über den Durchschnitt fordernd), kann ich Ihnen durchaus sagen, dass man auch ohne ABA viele Entwicklungsschritte beobachten kann, nur zu ganz anderen Zeitpunkten als gewöhnlich „vorgesehen“.

        Eine starke Struktur des Alltags, viel Routine und Verlässlichkeit sind ein großer Faktor, um mit einem autistischen Kind gut leben zu können. Und selbstverständlich müssen Eltern Autismus verstehen lernen. Für meine Begriffe können sie dies am besten, in dem sie in einen Austausch mit erwachsenen Autisten treten und Fragen stellen.

        Das in der Stellungnahme vom wissenschaftlichen Beirat von Autismus Deutschland darauf hingewiesen wird, das

        Zitat aus der Stellungnahme: „Die darin enthaltene Darstellung von Autismus sowie der „ABA“ Therapie entsprechen nicht den vom wissenschaftlichen Beirat vertretenen, auf den gegenwärtigen Stand des Wissens abgestimmten Diagnostik- und Therapieansätzen und sind damit für Betroffene und ihre Angehörigen wenig hilfreich und sogar irreführend. “

        autismus Mittelfranken eine irreführende Darstellung von Autismus verbreiten würde, finde ich übrigens mehr als nur kritikwürdig.

      6. mellissandra

        danke für deinen kommentar anna

        @ mbrucke
        eine wesentlich sinnvollere alternative zu ABA könnte zb. sein, sich mit erwachsenen sprachfähigen autisten zusammenzusetzen, ihre blogs zu lesen und von ihren erfahrungen LERNEN

        hilfreich könnten auch verhaltensanalysen und zwar gemeinsam mit erwachsenen autisten sein, oft hat ein verhaltensauffälligen, autoagressiven Autistist nur eltern, die noch nicht genügend über autismus wissen, und sich deshalb (noch) nicht in ihr kind hineinversetzen können

        wie schon wundervoll im artikel auf autismus deutschland angemerkt (http://w3.autismus.de/media/Fachgruppe/autismus-Heft78_Das_besondere_Thema_3.pdf):

        „Schließlich ist es den Autismus-Therapiezentren wichtig zu betonen, dass die Auswahl geeigneter Förderziele und -methoden in der Autismus-Therapie nicht allein von wissenschaftlichen Fragen der Wirksamkeit bzw. Machbarkeit bestimmt sein darf, sondern auch ethische Werte und Fragen des Menschenbildes in die Betrachtung einbezogen werden müssen.
        Ein rein medizinisches Menschenbild orientiert sich an der Normalität und formuliert klare Kriterien von „gesund“ und „nicht gesund“.
        Von Menschen mit Autismus wissen wir jedoch, dass Symptome wie Blickkontaktvermeidung, Stereotypien und Rituale, die als Teil der Störung oder Krankheit definiert sind, durchaus eine positive bzw. regulierende und damit adaptive Funktion haben können.
        Die Beantwortung der Frage, ob überhaupt und wie es dieses Verhalten durch gezielte Interventionen zu verändern gilt, bedarf einer anderen Annäherung als aus der rein medizinisch-wissenschaftlichen Sicht und muss unter der Einbeziehung der Perspektiven der Betroffenen erfolgen.“

        und auch im zweiten artikel fand ich worte, die sich nicht unbedingt für ABA aussprechen (http://w3.autismus.de/media/Fachgruppe/autismus-Heft78_Das_besondere_Thema_4.pdf):
        „ABA/VB bedient sich auch bei komplexeren Zielen, wie Kommunikationsanbahnung, aus unserer Sicht zu mechanistischer Methoden, die über die Verstärker orientierte Vorgehensweise die tiefergehende Bedeutung von Kommunikation, wie z.B. die Freude am gemeinsamen Tun (Konzept der gemeinsamen Aufmerksamkeit – engl.: joint attention) vernachlässigen. Im Sinne eines bedeutungsvollen Lernens ist es für ein Kind nicht wichtig, Blickkontakt zu üben („Schau mich an!“), sondern sich dem Gegenüber mit
        Interesse zuzuwenden“
        und
        „Zeitgemäßes verhaltenstherapeutisches Vorgehen lässt sich nicht auf das operante Konditionieren reduzieren. „Die Vorstellung, einen Mensch mit Depressionen dadurch zu behandeln, dass man ihm jedes Mal ein Gummibärchen gibt, wenn er lächelt, erscheint zu Recht absurd. Erstaunlicherweise wird diese Absurdität bei der Behandlung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen oft übersehen“ (Guttmann 2014). „

  4. sonnenscheibe

    Lieber Herr Brucke,

    ich wende mich an Sie mit drei Punkten:

    Erstens möchte ich Sie gerne fragen, auf welche Weise sich die Wirksamkeit der ABA-Methode Ihrer Meinung nach manifestiert.

    Zweitens schreiben Sie von „veralteten, nicht-evidenzbasierten und unspezifischen Pseudo-Therapien“. Auf welche genau beziehen Sie sich? Ich persönlich halte viel von der Haltung, die ein Floortime-Therapeut dem Klienten (also dem autistischen Kind) gegenüber einnimmt und bin (zum Beispiel in Anlehnung an diesen Artikel: http://autismus-kultur.de/autismus/eltern/gegenseitigkeit.html) überzeugt von der Wirksamkeit dieser Methode, sowohl was Lebenstüchtigkeit als auch das Selbstwertgefühl angeht.

    Ein letzter Punkt: Sie schreiben auch, dass ohne ABA Ihre Familie zerbrochen worden wäre, ihr Sohn in einer Anstalt gelandet wäre und mit Medikamenten ruhiggestellt sein würde. Ich halte es für sehr fragwürdig, „was-wäre-wenn“-Hypothesen aufzustellen, da wir einfach wirklich nie wissen können, was die Zukunft oder eine parallele Zeitlinie uns bringen würden. In einer Argumentation halte ich es für sinnvoller, statt dramatischer Zukunftshypothesen aufzustellen, die Vergangenheit und die Gegenwart zu beschreiben.

    In gespannter Erwartung ihrer Antwort:
    sonnenscheibe

    Antwort
  5. mellissandra

    Hat dies auf melli´s kleines nähkästchen rebloggt und kommentierte:
    irgendwie sind die menschen die für ABA sind, immer auf dem ohr taub, wenn autisten schreiben, wir halten diese methode für gefährlich und sind dagegen
    es hat paralellen zur der ständigen diskussion darüber, und wird von den eltern auch sehr als argument für ABA gebracht, ob erwachsene sprach/schreibfähige autisten für die nonverbalen sprechen dürfen:
    http://lysikan.tumblr.com/post/106147681470/you-dont-speak-for-low-functioning-autistics

    wen es von den befürwortern doch interessiert, was erwachsene autisten zum thema ABA sagen:
    https://innerwelt.wordpress.com/2013/06/06/wieviel-an-anpassung-ist-denn-noch-notig/
    https://quergedachtes.wordpress.com/2015/03/18/botschaft-zum-thema-aba/
    http://www.autismus-mfr.de/images/articles/Stellungnahme_gegen_ABA.pdf

    http://auties.net/aba-finanzierung
    http://auticare.de/auticare-zur-aba-therapie/
    http://autismus-kultur.de/autismus/politik/fehlverhalten-der-verhaltensanalytiker.html
    http://ellasblog.de/wp-content/uploads/2015/02/Stellungnahme-gegen-ABA.pdf
    http://autismus.ra.unen.de/archiv/topic_5339.html
    https://quergedachtes.wordpress.com/2013/06/02/wenn-festhalten-als-abartig-empfunden-wird/
    https://butterblumenland.wordpress.com/2015/03/23/aba-der-umgang-mit-kritik-will-gelernt-sein/
    http://auties.net/aba
    https://butterblumenland.wordpress.com/2015/04/15/antwort-auf-die-stellungnahme-zur-kritik-an-aba/
    http://tageshauscaos.auticare.de/
    https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2015/04/16/reaktion-auf-die-stellungnahme-zur-kritik-an-aba/
    http://autismus-kultur.de/autismus/politik/fehlverhalten-der-verhaltensanalytiker.html
    https://autlandnuernberg.wordpress.com/2015/01/03/aba-reparaturwahn-und-was-ihr-uns-wirklich-antut/
    https://kanner840.wordpress.com/2014/10/27/unterschied-zwischen-normal-therapie-und-autismus-therapie-von-steinzeit-planet/
    https://www.facebook.com/notes/autistic-strategies-network/statement-on-aba-cdmms-and-other-harmful-practices-imposed-on-autistic-people/1565400283693697?hc_location=ufi

    Antwort
    1. Darkwolf

      Ich habe zu dem Thema noch einige interressante Blogeinträge gefunden.
      http://timetolisten.blogspot.de/2013/09/the-cost-of-indistinguishability-is.html
      http://loveexplosions.net/resources-compliance-aba-social-skills-indistinguishability-whole-body-listening/
      https://unstrangemind.wordpress.com/2014/11/07/what-does-helpful-vs-harmful-therapy-look-like/
      http://thautcast.com/drupal5/content/blogosphere-aba-broadway-desires-and-autistic-ghandi
      Ich hoffe,dass es in ordnung ist,wenn ich kurz die Sammlung erweitere mit Einträgen,die auf Englisch sind.

      Antwort
  6. Pingback: Markierungen 05/04/2015 - Snippets

  7. ASpiemara

    Für mich spiegelt eine Stellungnahme eines „wissenschaftlichen“ Beirates NICHT die Meinung oder Haltung eines Vorstandes wieder! Daher sehe ich die Sache „getrennt“ und es gibt für mich keinen Grund einen Vorstand für die wissenschaftlichen Äußerungen verantwortlich zu machen!
    Was ich kritisiere, ist die Tatsache, dass der Regionalverband Karlsruhe über einen Megaverteiler die Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirates herausgesendet hat UND auch noch polarisierend kommentiert hat, wie auch Werbung in eigener Sache -für die von ihnen veranstaltete Fortbildung zum RVT- bzw. für eine Anbieterin -hier Frau Bernhard-Opitz- macht. Des Weiteren halte ich es für eine Karlsruher-Politik zu veranlassen, dass diese Stellungnahme, auch noch auf entsprechende Seiten zu verlinken! Hier gehört die Kritik hin meines Erachtens. Und nicht an einem Vorstand einer großen Organisation, die immerhin Mitglieder vereint, die auch unterschiedliche Meinungen haben und deren Mitglieder genauso facettenreich sind, wie ein Spektrum eben sein kann.
    Ich als ABA-Gegnerin und Kritikerin möchte noch etwas loswerden: ich wünsche mir, dass diese Anfeindungen aufhören – ichbeziehe michnicht ausschließlich auf Kommentare hier, sondern auch auf andere Kommentare in anderen Blogs und auf manche Foren-, dass Unterstellungen zurückgenommen werden, da sich so mancher im Spektrum, trotz einer kritischen Haltung und trotz Ablehnung gegenüber ABA, sich gut vom Bundesverband bzw. vom Regionalverband vertreten fühlt und sich auch hier engagiert. Mich kränkt es ungemein und die(meine) SHG auch: wir stehen ABA zwar sehr ablehnend gegenüber, möchten hierüber auch weiter aufklären; wir erwarten, dass wir mit unseren „different abilities“ angenommen und akzeptiert werden … daher bin (nicht nur) ich der Meinung, dass es doch möglich sein muss, andere Meinungen und Lebensformen zu akzeptieren. Klar, eines geht nicht- und das ist genau eines der Punkte, die ich (wir) massiv kritisieren: die einseitigen und polarisierenden Werbekampagnen der ABA-Industrie und „das Niedermachen“ von Förderkonzepten, die „uns“ und ggf. unseren Kids auch -not evidence-based- guttun; jeglicher radikale Umgang mit „Andersdenkenden“ ist für mich sehr schwer zu ertragen….und zeugt nicht von der oftmals – zurecht – eingeforderten Akzeptanz.

    Antwort
    1. annaautland Autor

      Hallo ASpiemara,

      um Missverständnisse zu vermeiden: ich habe nirgends geschrieben (und hoffe, das stimmt auch nicht), dass die Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats der Meinung des Bundesvorstands entspricht. Ich kritisiere hier vor allen Anderen Autismus Karlsruhe sowie eben jenen Beirat. Nicht nur hat Karlsruhe diese Einschätzung in einschlägigen Kreisen verbreitet und darüber hinaus zur weiteren Verbreitung in Verbindung mit Werbung für Ihre Fortbildung aufgerufen. Sie haben es darin auch so dargestellt, als sei eben diese Einschätzung die Meinung des Vorstands von Autismus Deutschland. Nicht wir verwechseln da was, Karlsruhe stellt das aktiv so dar. Ich bin in der Lage hier zu differenzieren und versuche das auch Anderen zu vermitteln.

      Allerdings halte ich es für unabdingbar, dass der Vorstand des Bundesverbandes sich endlich klar zu dieser Sache äußert und den Mist, den Karlsruhe angerichtet hat, richtigstellt. Je mehr Raum hier für wilde Spekulationen gelassen wird, desto schwieriger wird das und desto unsachlicher wird die Diskussion darüber. Ich kritisiere an Autismus Deutschland in allererster Linie das Schweigen und die fehlende Haltung. Wenn man garnichts sagt und immernoch ABA-Fortbildungen im Fortbildungskatalog hat, darf man sich über Kritik nunmal nicht wundern.

      Dass es Regionalverbände gibt, die gute Arbeit leisten oder in der Vergangenheit geleistet haben und dass selbst diejenigen, die ich persönlich kritisch sehe für manche Autisten auch hilfreiche Angebote machen, stelle zumindest ich überhaupt nicht in Frage. Genügend Gegenbeispiele gibt es leider auch. Nur weil nicht überall alles schlecht ist, schließt das spezifische Kritik an einzelnen Regionalverbänden oder dem Bundesverband nicht aus. Nur weil Einige sich gut vertreten fühlen, ist das für Andere kein Grund ihre Meinung und Kritik zu verschweigen.

      Je länger (insbesondere autistische) Kritiker, die wirklich gute inhaltliche Argumente vertreten, ignoriert oder gar diffarmiert werden, desto lauter müssen diese werden, um sich Gehör zu verschaffen. Die stellenweise angriffslustigen und undifferenzierten „Attacken“ haben sich die Ziele derselben in der Regel selbst „herangezogen“, weil sie alle anderen Versuche ignorieren. Dass gelingende Kommunikation anders aussieht, wissen wir alle. Den eigenen Anteil an der Situation sollte sich da aber schon jeder eingestehen und entsprechend handeln.

      Im Übrigen hoffe ich, dass ich dich missverstehe und du nicht wirklich ausdrücken wolltest, dass wenn wir Akzeptanz für Autisten wollen, wir auch ABA akzeptieren müssen. Das ergibt nämlich keinen Sinn. Ich respektiere die Freiheit Einzelner nur bis zu dem Punkt, an dem sie Andere ihrer Freiheit berauben. Und ABA tut nunmal exakt das. Daher endet hier meine Akzeptanz.

      Antwort
      1. ASpiemara

        Hallo Anna,

        sollten meine Äußerungen missverständlich gewesen sein, so waren sie nicht so gemeint und ich bitte darum, mir dieses Missgeschick zu entschuldigen!

        Nein, Du hast NICHT geschrieben, dass der Vorstand des Bundesverbandes dieselbe Meinung wie die des wissenschaftl. Beirates hat. Meine Äußerungen bezogen sich vielmehr auf Kommentare sowie auf Posts in Foren und in weiteren Blogs, in denen „gerne“ ziemlich viel vermischt wird und hierbei immer wieder auf den Bundesverband teilweise auch „wahllos“ herumgehackt wird. Ja, ich hätte darauf hinweisen müssen, auf was ich mich beziehe….habe selber „vermischt“ . Sorry.

        Ist bekannt, ob / dass jemand denn überhaupt den Bundesverband bzw. dessen Vorstand angeschrieben und um eine „Haltung“ gebeten hat bezüglich des Schreibens des Regionalverbandes Karlsruhe und dessen Äußerung dem Vorstand des Bundesverbandes betreffend, wie auch die „Nutzung“(den Missbrauch) der Stellungnahme des wissenschaftl. Beirates für eigene Werbezwecke?

        Zitat: (…) Im Übrigen hoffe ich, dass ich dich missverstehe und du nicht wirklich ausdrücken wolltest, dass wenn wir Akzeptanz für Autisten wollen, wir auch ABA akzeptieren müssen. Das ergibt nämlich keinen Sinn. Ich respektiere die Freiheit Einzelner nur bis zu dem Punkt, an dem sie Andere ihrer Freiheit berauben. Und ABA tut nunmal exakt das. Daher endet hier meine Akzeptanz.(…)….ja, hier hast Du meine eigentliche Botschaft tatsächlich missverstanden. Ich meinte, dass ich mir wünsche, dass auch MENSCHEN akzeptiert werden, die „anders“ denken und „anders“ leben und andere Lebensinhalte für sich beanspruchen; was sie für Methoden anwenden ist eine andere Sache- dieses Methoden, wie z.B. ABA muss und will ich nicht akzeptieren.

        Da ich gleich einen Termin habe und auch krank bin muss ich hier leider abbrechen!

        Anna: Ich danke Dir für Deinen Blogpost und für die sehr gute und sachliche Zusammenfassung der Debatte (die ich natürlich nicht nur hier verfolge).

        Mara

      2. annaautland Autor

        Danke für deine klare Antwort, Mara. Schön, dass wir die Missverständnisse ausräumen konnten.
        Ich selbst habe übrigens den Bundesverband bezüglich dieser Sache angeschrieben und auch auf diesen Blogpost verwiesen. Soweit ich weiß, haben auch Andere diesbezüglich Kontakt aufgenommen.

        Ich schließe mich deinem Wunsch nach Akzeptanz oder zumindest Toleranz für verschiedene Lebens- und Denkweisen natürlich an, auch wenn es da, wie in Sachen ABA, Grenzen gibt.

  8. Darkwolf

    Diese ganzen behauptungen,dass ABA wissenschaftlich orieniert sein soll ist schon eine Lüge.
    Die methodischen Fehler,die bei den Wirksamkeitsstudien begangen worden sind,sind so
    gravierend,dass deise angeblichen „Wirkungsnachweise“ keinerlei Aussagekraft besitzen.
    So viel zu „evidenzbasierte Therapie“.
    Ich möchte mal wissen,was die ABA-Anbieter/-Eltern/-Vereine darauf Antworten wollen.
    Quelle:http://autismus-kultur.de/autismus/eltern/heilt-aba-autismus.html
    Schon im ersten Absatz ließt man von Bedenken anderer Fachleute bezüglich
    der unüblichen Durchführung dieser Studie,was schon viel über die nicht vorhandene
    Seriösität von ABA aussagt.

    Antwort
  9. Pingback: Update in Sachen ABA und Therapien für Autisten | Autland Nürnberg

  10. Pingback: Aktion Mensch fördert ABA | innerwelt

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