Archiv für den Monat Juni 2022

Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie?

Spurensuche über Alltag und Handeln

Wer kennt es nicht? Ob Schüler oder Studentinnen: Oft ist im Unterricht oder der Vorlesung der Ruf nach mehr Praxis oder Beispielen laut. Ich als Autist dagegen wäre froh, wenn mehr vom Allgemeinen zum Besonderen abgeleitet würde, nicht nur im Bereich Bildung, sondern auch im Alltag. Daher freue ich mich zum Beispiel über Termine mit Tagesordnung oder jene mit einem wiederkehrenden Ablauf, etwa ein Gottesdienst.

Die Mathematik ist prädestiniert dafür, theoretisch zu sein. Bild: © bernhard_pixler  / pixelio.de

Kleines Gespräch, große Anstrengung

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Entspannung statt Überladung

Wie Gefühle und Bedürfnisse zum Kompass fürs Wohlbefinden werden

Das Thermometer zeigt 30 Grad. Ich stehe in der prallen Sonne und verkaufe Flohmarkt-Artikel für ein Spendenprojekt der Kirchengemeinde. Mein Gesicht glüht und ich habe länger nichts getrunken. Trotzdem bemerke ich diese Bedürfnisse und Körperempfinden nicht. Erst der Hinweis einer Bekannten gab mir einen Wink gab, dass ich dringend aus der Sonne muss, etwas trinken und mich ausruhen.

Dieses Beispiel war vor meiner Autismus-Diagnose. In anderen Situationen merkte ich die Bedürfnisse, konnte sie aber weder mir selbst, noch dem Umfeld vermitteln. Auf einer Silvester-Party, die nur mit mir aus 3 Personen bestand, bin ich beispielsweise weit vor 24 Uhr nach Hause. Damals konnte ich nicht die Perspektive des Gegenübers einnehmen und mir die Wirkung des eigenen Verhaltens erklären.

Prophylaktische Entspannung suchen

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Gedanken zum Thema „Selbstwert“

Wer sich in Selbsthilfe-Foren für Menschen mit Autismus bewegt, liest dort oft biografische Berichte. Nicht selten erzählen Betroffene von Ausgrenzung, Missverständnissen oder sogar Mobbing. Leider wird in einigen Fällen der Autismus erst im Erwachsenenalter erkannt. In den Jahren zuvor entwickelten sich bei einigen Autisten und Autistinnen ernsthafte Selbstwertzweifel.

Die Gründe für Mobbing sind vielfältig. Daher sollen drei Beispiele genügen:

  • Aufgrund langsamerer Informationsverarbeitung bei Autisten ist Schlagfertigkeit meist schwer umsetzbar
  • Durch das Wörtlich-Nehmen von Aussagen, zum Beispiel Sprichwörtern, werden Autisten gerne belustigt
  • Autisten haben Probleme, sich Verhalten anderer zu erklären (Fachbegriff: „Theory of Mind“). Dies erschwert das richtige Verhalten gegenüber Mobbing umzusetzen

Theorie und Schaubild zum Thema Selbstwert

Bevor nun Gedanken folgen, wie jeder seinen eigenen Selbstwert aufbauen kann, zunächst eine theoretische Überlegung: Einen Selbstwert zu besitzen, heißt sich selbst zu mögen, auch dann, wenn von der Umwelt Abwertungen, Geringschätzung, Spott und Ähnliches auf die Person einschlagen.

Selbstwert bedeutet: Die Person haut einen Schutzpanzer gegenüber der Umwelt.

Den Selbstwert wiederfinden

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