Gedanken zum Thema „Selbstwert“

Wer sich in Selbsthilfe-Foren für Menschen mit Autismus bewegt, liest dort oft biografische Berichte. Nicht selten erzählen Betroffene von Ausgrenzung, Missverständnissen oder sogar Mobbing. Leider wird in einigen Fällen der Autismus erst im Erwachsenenalter erkannt. In den Jahren zuvor entwickelten sich bei einigen Autisten und Autistinnen ernsthafte Selbstwertzweifel.

Die Gründe für Mobbing sind vielfältig. Daher sollen drei Beispiele genügen:

  • Aufgrund langsamerer Informationsverarbeitung bei Autisten ist Schlagfertigkeit meist schwer umsetzbar
  • Durch das Wörtlich-Nehmen von Aussagen, zum Beispiel Sprichwörtern, werden Autisten gerne belustigt
  • Autisten haben Probleme, sich Verhalten anderer zu erklären (Fachbegriff: „Theory of Mind“). Dies erschwert das richtige Verhalten gegenüber Mobbing umzusetzen

Theorie und Schaubild zum Thema Selbstwert

Bevor nun Gedanken folgen, wie jeder seinen eigenen Selbstwert aufbauen kann, zunächst eine theoretische Überlegung: Einen Selbstwert zu besitzen, heißt sich selbst zu mögen, auch dann, wenn von der Umwelt Abwertungen, Geringschätzung, Spott und Ähnliches auf die Person einschlagen.

Selbstwert bedeutet: Die Person haut einen Schutzpanzer gegenüber der Umwelt.

Den Selbstwert wiederfinden

Wer einige Jahre viel Ablehnung erfuhrt, hat diese so stark verinnerlicht, dass die Abwertung der eigenen Person durch sich selbst auf einer unbewussten Ebene gefallen ist. Daher ist es wichtig, Übungen für den Selbstwert lange und regelmäßig durchzuführen. Im Idealfall gibt es dann den Zeitpunkt, bei dem man sich einfach selbst mag, ohne es bewusst verbalisieren zu müssen. Nun ein paar Beispiele für Selbstwert-Übungen:

  • Sich jeden Morgen vor den Spiegel stellen, sich liebevoll berühren und sagen „Ich mag mich.“
  • Sich mehrmals am Tag selbstbewusst aufrichten statt sich verkrümmen
  • In einem kleinen Büchlein täglich festhalten, worauf man stolz oder dankbar ist, dabei auch kleine Dinge zählen lassen
  • Zehn positive Eigenschaften und Verhaltensweisen von sich aufschreiben
  • Zehn Eigenschaften und Verhaltensweisen aufschreiben, die man sich verzeiht
  • Das negative Denken mit einem bewussten Stopp-Sagen und einem Ritual, zum Beispiel eine Türe schließen, unterbrechen

Wie lange die Übungen nötig sind, ist individuell. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass sich nicht nur der Selbstwert wieder aufbauen lässt, sondern auch, dass er durch das Umfeld weiter gestützt wird. Weil ich Sicherheit ausstrahle, ändern sich auch die Menschen, die ich mag oder mit denen ich befreundet sein möchte. Insofern kehrt sich schließlich das Innere nach Außen.

Ich wünsche euch viel Ausdauer, Mut und Geduld, falls ihr noch auf dem Weg seid, selbstsicherer zu werden.

Odo

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