Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie?

Spurensuche über Alltag und Handeln

Wer kennt es nicht? Ob Schüler oder Studentinnen: Oft ist im Unterricht oder der Vorlesung der Ruf nach mehr Praxis oder Beispielen laut. Ich als Autist dagegen wäre froh, wenn mehr vom Allgemeinen zum Besonderen abgeleitet würde, nicht nur im Bereich Bildung, sondern auch im Alltag. Daher freue ich mich zum Beispiel über Termine mit Tagesordnung oder jene mit einem wiederkehrenden Ablauf, etwa ein Gottesdienst.

Die Mathematik ist prädestiniert dafür, theoretisch zu sein. Bild: © bernhard_pixler  / pixelio.de

Kleines Gespräch, große Anstrengung

Manchmal wünschte ich, man könnte auch alle unstrukturierten Alltagsgespräche vorbereiten, insbesondere Small Talk. Im Small Talk gibt es zumindest den Konsens, Themen wie Krankheit, Politik und Religion zu meiden. Small Talk bleibt mir trotzdem eine Fremdsprache, auch wenn ich theoretisch weiß, es geht ums gegenseitige Abtasten und Kennenlernen. Manchmal merke ich am Tonfall und sonstigen Reaktionen, dass ich bemüht wirke, ein Gespräch zu initiieren. Wenn ich dann wiederum anderen zuhöre, sehe ich bei ihnen Entspannung und Humor.

Wie hier erwähnt: Es ist ein bisschen wie bei Data in Star Trek: Menschlich sein, dafür brauche ich noch Nachhilfe.

Nun möchte ich die beiden Themen verbinden: Theorie und Handeln, das ergibt eine Handlungstheorie. Das hohe Abstraktionsniveau ist von Vorteil, denn damit geht es über das reine Verständnis von Small Talk hinaus.

Ein Gerüst für das Handeln im Alltag

Die blaue Achse sind die Zeitbegriffe. Erfahrung liegt beispielsweise in der Vergangenheit, kann aber als Gedanke manifest in der Gegenwart liegen und Hilfe sein, zukünftig etwas zu bewältigen. Wünschen, etwas zu tun, es aber nicht recht zu können, übt dagegen Druck aus. Was die Gefühle angeht, so sehe ich die größte Polarisierung zwischen Angst und Verliebtheit.

In der Autismus-Forschung wird mit dem Begriff „Theroy of mind“ gearbeitet, er bedeutet, bestimmte Handlungen zu erklären und Konzept zu sehen. Autisten und Autistinnen wird nachgesagt, hier Probleme zu haben, beispielsweise im Erkennen von Ironie und Sarkasmus oder flapsige Bemerkungen oder Sprichwörter. Das Handlungs-Schema hilft, das Erfordernis abzuleiten. Zum Beispiel: „Weil sie weint, ist sie traurig. Also möchte sie getröstet werden.“

Ob eine Theorie für den Alltag wirklich praktisch und praxistauglich ist, muss jeder und jede selbst für sich herausfinden.

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