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Nach dem 1. Stammtisch

Nach dem 1. Stammtisch stehen vor allem 3 Dinge fest:

  1. Nervosität, Ängste und Unsicherheiten, die nicht nur mich im Vorfeld beschäftigt hatten, waren vollkommen unbegründet. Es war vor allem am Anfang schon sehr aufregend, aber wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, haben uns über alles Mögliche unterhalten und hatten einen sehr schönen Abend zusammen 🙂
  2. Wir brauchen einen leiseren Treffpunkt für die zukünftigen Stammtische. Es war zwar sehr schön und lecker dort, aber viel zu laut! Vielleicht wären wir länger geblieben, wäre der Lärm nicht so unerträglich gewesen. Einen Tisch neben der Bar unter einem Lautsprecher im Eingangsbereich bekommen zu haben, hat es nicht besser gemacht.
  3. Ab jetzt findet jeden 1. Donnerstag im Monat unser Stammtisch in Nürnberg statt. Eingeladen sind nach einer kurzen Voranmeldung (per Mail oder besser noch im Forum) alle Autisten aus Nürnberg, der Umgebung oder weiter weg, die Lust auf einen unkomplizierten Abend mit anderen Autisten haben. Uhrzeit und Treffpunkt sagen wir euch, wenn ihr euch meldet 🙂

Danke allen, die dabei waren und die unser erstes Treffen zu so einem schönen Erlebnis gemacht haben! 🙂

Außerdem treffen zwei von uns sich nächste Woche in Nürnberg, um unseren Gruppenraum tatsächlich für ein erstes Jahr zu mieten und den Schlüssel dafür abzuholen. Auch in Sachen „feste Gruppe“ geht es also voran und es wird nicht mehr lange dauern, bis wir uns zum ersten Mal dort treffen können 🙂

Nochmal danke an alle, die so engagiert mitorganisiert haben und es weiterhin tun! Das alles hier ist nur möglich, weil wir alle im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas beitragen. Im Kleinen und im Großen 🙂

Anna

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Wozu die ganze Mühe? – Warum Autland so wichtig ist

In den letzten zwei Monaten ist hier ganz viel passiert.

Eine Gruppe von autistischen Menschen, die sich bis heute noch nie gesehen haben, hat sich zusammengefunden. Wir haben ein gemeinsames Ziel und wir sind ganz nah dran es zu erreichen. Wir sind so viele, dass wir unsere Idee einer sicheren, vertrauten Gruppe von autistischen Menschen erweitert haben. Damit wir auch für andere Autisten offen sein und Vielen die Möglichkeit zum Kontakteknüpfen geben können, wird es auch noch einen offenen Stammtisch geben.

Wir haben angefangen uns gegenseitig kennenzulernen – für mich eines der größten Abenteuer an diesem Unterfangen. (Morgen treffe ich einen von uns zum ersten Mal außerhalb des Internets. Ist das nicht toll?)
Wir haben Regeln, Richtlinien und Rahmenbedingungen erarbeitet, damit die Gruppe für uns alle ein hilfreicher, guter und sicherer Ort sein kann, ohne zu überfordern.
Wir haben ganz praktische Dinge wie die Suche nach einem Gruppenraum und den Umgang mit dem finanziellen Aspekt geregelt.
Wir haben ganz nebenbei ein Gemeinschaftsblog angefangen und es schon jetzt mit vielen persönlichen Texten gefüllt.
Vor eineinhalb Jahren hatte ich nur eine Idee und sie hat lange gebraucht, um zu reifen. Dann habe ich erste Mitstreiterinnen gefunden und die Idee reifte eine Weile weiter. Schließlich war es soweit und ich habe einfach angefangen, indem ich die Technik aufgebaut habe. Das Blog und unser Forum. Egal, ob wir erst zu zweit, zu dritt waren, irgendwann mussten wir ja anfangen, wenn Autland mehr werden sollte, als nur ein Traum. Und dann kamen sie, einzeln. Autistische Menschen, die uns und unsere Idee irgendwie gefunden hatten und mitmachen wollten. Weil es genau das ist, worauf sie gewartet haben. Ein Ort, ein Projekt, von und für uns. Und gemeinsam haben wir in nicht mal 2 Monaten all das geschafft!

Ich bin Autistin. Mich mit Menschen umgeben, ständig kommunizieren und die Kommunikation vor allen Dingen nicht abreißen zu lassen, Interaktionen beginnen, Kontakte anbahnen, Menschen zusammenbringen – all das ist für mich mit einer schwer in Worte zu fassenden Anstrengung verbunden. Es sieht einfach aus, aber es fordert alles von mir. Es verunsichert mich. Es macht mir Angst. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich schon lange nichts mehr gemacht habe, was wichtiger war, als das hier.

Aber wozu die ganze Mühe?
Was ist so wichtig an Autland?
Warum nicht einfach bestehende Angebote nutzen?
Warum nicht Nichtautisten die schwierigen Sachen machen lassen?
Wieso nicht Profis die ganze Koordination und Organisation der Gruppenaktivitäten überlassen?

Ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finde, dabei bin ich mir so sicher!

Wir sind stark.
Wir haben so viele einmalige Fähigkeiten und liebenswürdige Eigenschaften.
Wir haben einen ganz besonderen Blick auf die Welt.
Wir sehen einander, wie niemand sonst uns sehen und verstehen kann.
Wir wissen, wie es ist allein zu sein.
Wir wissen, was es bedeutet anders zu sein, sich falsch zu fühlen, unfähig, unzulänglich, dumm.
Wir wissen, dass wir Manches nicht können und nie können werden.
Wir haben Probleme mit der Welt fertig zu werden, ihren Anforderungen, Regeln, Reizen, Überforderungen.
Wir wissen, wie es ist, vor lauter Lärm zu verzweifeln.
Wir wissen, wie es ist, immer das Falsche zu sagen und ständig falsch verstanden zu werden.
Wir wissen, wie es sich anfühlt, missachtet, nicht respektiert, gedemütigt zu werden.
Wir wissen wie es ist, belächelt zu werden, bevormundet, den Kopf getätschelt zu bekommen.
Wir wissen wie es sich anfühlt, Hilfe zu brauchen bei den einfachsten Dingen.

Wir sind die einzigen Menschen, die wirklich wissen wie es ist, wir zu sein.
Und wir können uns gegenseitig unterstützen und für uns selbst etwas schaffen. Das kann uns niemand abnehmen. Das ist etwas, was nur wir selbst tun können.

Wir werden nie Sprachrohr für alle Autisten sein. Weil wir es nicht wollen und nicht können. Aber wir sind die einzigen Menschen, die für uns selbst sprechen können. Die wissen, was wir brauchen, was wir können, was uns wütend oder traurig oder glücklich macht.

Wir können voneinander lernen und miteinander.

Jemand kann Technik und Planen, koordinieren und organisieren. Jemand kann schreiben, kann Finanzen verwalten, kann einen Mietvertrag unterschreiben. Jemand kann verantwortlich sein für unseren Raum und den Schlüssel sicher verwahren. Jemand kann einen Flyer gestalten und Anderen damit die Chance geben, Autland zu finden. Jemand kann gut recherchieren und erstellt Listen, ermöglicht Vernetzung. Jemand kann Einblick geben in sein Leben. Jemand kann offen sein und von sich erzählen. Jemand anders kann zuhören und schweigen und mit den Händen flattern. Jemand kann weinen. Jemand kann lachen. Jemand kann Erfahrungen weitergeben, einen bis dahin unverständlichen Ausschnitt der Welt erklären, so dass eine Andere es versteht.

Wir brauchen keine Hilfe. Wir können Autland ganz allein gestalten und das ist der Grund. Wir können es und wir brauchen es und es tut unheimlich gut.

Es gibt sie, die hilfreichen Eltern, Partner, Kinder, Freunde, Geschwister oder Großeltern. Die Psychologen und Ärzte und Therapeuten und Assistenten. Sie sind für manche von uns überlebenswichtig. Besonders am Anfang unseres Lebens, aber nicht nur dann. Als Kinder sind wir so sehr angewiesen auf respektvolle, wertschätzende, verstehen-wollende Erwachsene, die für uns eintreten, so lange wir es noch nicht allein können. Die uns helfen die Welt zu verarbeiten und die uns manchmal vor ihr beschützen, wenn sie uns zu überrollen droht. Manche von uns haben solche Menschen leider nie in ihrem Leben gekannt.

Aber dann werden wir größer und erwachsen und wir müssen lernen, für uns selbst zu kämpfen und zu sprechen (auf irgendeine Art und Weise) und uns selbst zu beschützen und uns Orte zu schaffen, die uns gut tun.

Autland ist so ein Ort. So ein Ding. Ein ganz eigenes, das uns zeigt, was wir schaffen können und dass wir ganze, vollwertige und ganz und gar richtige Menschen sind.

Das ist jedenfalls mein Grund für die ganze Mühe. Ich will das für mich aber noch viel viel mehr für all die anderen Autisten da draußen, die zu oft spüren müssen, dass sie falsch sind und unfähig und zu nichts zu gebrauchen.
Denn es stimmt einfach nicht!

Anna