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Ihr tut mir weh

Und dann gibt es diese Tage, an denen ich mich so schutzlos und ausgeliefert und nackt fühle. An denen nichts übrig ist von meiner Energie, um zu kommunizieren oder zu verstehen oder Appelle zu schreiben.

Ihr tut mir weh mit jedem Wort. Ganz gleich zu wem ihr es sagt, es fühlt sich an wie ein Schlag. Jedes einzelne Wort ein Schlag auf meinen sowieso schon wunden Körper.

Jeder Lichtstrahl schmerzt so sehr in meinen Augen, dass ich sie am liebsten den ganzen Tag über nicht öffnen würde. Wären die Geräusche dann nur nicht noch lauter und müsste ich nicht mein Leben weiterleben, mit all seinen Aufgaben und Abläufen und Routinen, ohne die ich all das noch viel schwerer ertragen könnte.

Eure pure Existenz, so sie sich in meine Umgebung ausdehnt, ist mir zuviel. Ich kann euer Lachen nicht ertragen und euer Schreien lässt mich verzweifeln.

Ich fühle mich so schutzlos und allein und wie das einzige Wesen meiner Art auf diesem Planeten.

Ich verstehe nicht, was ihr sagen wollt mit euren furchtbaren Worten und Bewegungen. Ich will nur, dass ihr alle verschwindet und ich so allein sein kann, wie ich mich innen fühle.

Und tief drin ist da gleichzeitig ein leiser Wunsch. Nach einem Menschen, der mir so vertraut ist, dass seine Anwesenheit sich so anfühlt, als wäre er garnicht da. Den ich in meiner Nähe ertragen könnte, schweigend. Ein Mensch, gegen den ich von Zeit zu Zeit meinen von der Welt schmerzenden Kopf lehnen könnte, nur für eine kurze Weile, und der nichts dazu sagt. Ein Mensch, dessen Berührungen mich nicht zusammenzucken lassen. Vor dessen Händen ich nicht fliehen will. Dessen Umarmung mich abschirmt vor der Welt und mich nicht verstört die Flucht ergreifen lässt.

Aber es gibt diesen Menschen nicht. Weil ich niemanden lange genug in meiner Nähe ertrage, um eine solche Vertrautheit entstehen zu lassen. Ich brauche das Alleinsein fast noch dringender, als das Atmen. Und darum gibt es diesen Menschen nicht und darum will ich, dass ihr alle verschwindet. Jetzt! Sofort!

Bis ich mich erholt habe von euren auf mich einschlagenden Worten und unverständlichen Botschaften und unerklärlichen Erwartungen. Von der Verwirrung, den Schmerzen, der Angst. Damit ich euch dann wieder eine Weile ertragen kann und mich an euch gewöhne. An einen oder zwei von euch. Damit es irgendwann leichter wird in eurer Nähe zu sein. Irgendwann, mit viel Geduld.

Aber jetzt tut ihr mir einfach weh.

Ihr und jedes Geräusch und das Licht und sogar meine eigenen Gedanken.

Anna

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