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Musik, Theater, und meine Autistische Erfahrenswelt.

Hallo! Das ist mein erster Post auf Autland, also erstmal ein kleiner Rundown.

Ich: 25, Männlich, Informatiker, Hobbyautor, Internetaffin, Asperger-Syndrom. Zoroaster ist mein gewählter Nickname hier, also der Name von Zarathustra, dem persischen Theosophen. Immer auf der Siche nach Wahrheit, bis zum Schluss. Suche nach Wahrheit war immer eines meiner größten persönlichen Anliegen, in welchem Bereich auch immer. Vielleicht auch ein Thema, über das ich mal schreiben könnte: „Autismus und Gerechtigkeits- und Wahrheitsbedürfnis“.

Nun aber in medias res.

„War er ein Tier, da ihn Musik so ergriff ? Ihm war, als zeige sich ihm ein Weg zu der ersehnten unbekannten Nahrung.“

Franz Kafka, die Verwandlung

Nun kann man von Kafka ja vieles behaupten, aber im Endeffekt ist die Entfremdung von der „normalen“ Welt und ihrem „normalen“ Wahnsinn, wie sie Gregor Samsa erfährt, ein mir nicht unbekanntes Gebiet – Wenige bis keine Autisten sind wohl in der Lage, mit dem NT-Alltag umzugehen, ohne sich eine bestimmte Persönlichkeit zurechtzulegen. So auch ich.

Musik, Theater, Kunst im Allgemeinen waren immer meine Möglichkeit, mich in idealisierte Charaktere hineinzuversetzen. Beginnen wir beim Theater. Zum einen ist das einfach – Den Charakteren auf der Bühne liegt das Herz sozusagen auf der Zunge. Hier herrscht -bis auf die Prämisse „Theater“ selbst, keine Täuschung des Zuschauers. Man trifft auf derart abstrahierte, hochdestillierte menschliche Ideale, dass die Einfühlung in die dramatische Person automatisch stattfindet.

Ich habe selbst eine Zeit lang Theater gespielt – Zugegebenermaßen drei Jahre, und zugegebenermaßen nicht gut. Dennoch: Es war erhellend, die Charaktere zum Leben zu bringen. Meiner persönlichen Überlebensstrategie von „Ich spiele jetzt mal NT“ gar nicht mal so unähnlich, aber da es Theater war, das ganze nochmal hochgepumpt wie auf Steroiden.

Dennoch bin ich mit der Zuschauerrolle tiefer verbunden. Ich fühle mich grundsätzlich eher wie ein Zuschauer auf dieser Welt. Sicher, ich kann handeln und Entscheidungen treffen, aber selbst dann kommt es mir eher vor, als ob es „mir passiert“, als dass ich sage „jetzt habe ich gehandelt.“

Musik ist ähnlich. Als Musiker tauge ich zu gar nichts. Also wieder in die Zuschauerrolle gedrängt. Verdammt sei meine versagende Körperkoordination! Dennoch (Und an guten Tagen vermute ich/hoffe ich auf leichte Synästhesie, aber das ist schwer nachzuweisen) kann ich aus Musik sehr viel ziehen. Hierbei geht es, im Gegensatz zum Theater, für mich vor allem um ein emotionales Bedürfnis. Dies ist eine Frage der persönlichen Präferenz – Ich bilde mir ein, die Musikszene gut zu kennen, und kann bestimmt auf Abruf einige Bands nennen, die vorrangig meinen Geist und nicht meine Seele ansprechen – dennoch ist es meist eine Ratio von 60/40 zwischen Gefühl und Gewissen.

Es geht hier also vorrangig um ein Entkommen, einmal mehr, diesmal allerdings anderer Art als beim Theater: So ist Musik für mich kein soziointellektuelles Bedürfnis, sondern eben, wie gesagt, eher eines meiner emotionalen Vergnügen im stillen Kämmerchen. (Protip: Stilles Kämmerchen wird es überall, wo ich Kopfhörer aufsetzen und abdriften kann 😉 ) Musik entgrenzt und emotionalisiert – interessanterweise NT und Autist zugleich. Insofern ist es auch ein Annäherungsmedium für mich.

Das wäre also soweit meine Sichtweise auf einen kleinen Teil dessen, wie ich erfahre, lerne und lebe. More to come, wie der Engländer sagt, sobald mich die Muse packt.

Best Regards – Stay safe out there!

Zoroaster

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