Flyer zur Aufklärung über behindertenfeindliche Sprüche

(Inhaltswarnung: Es werden einige behindertenfeindliche Formulierungen als Beispiele ausgeschrieben, um sie zu erklären. Es ist außerdem die Rede von Nazi-Verbrechen an behinderten Menschen.)

Behindertenfeindlichkeit (Ableismus) ist in unserer Sprache weit verbreitet. Insbesondere für Beleidigungen werden sehr oft Worte verwendet, die vor allem behinderte oder kranke Menschen abwerten.

So passiert es z.B. immer wieder, dass auf eigentlich sinnvollen Demonstrationen gegen rechte Parteien und Bewegungen, behindertenfeindliche Sprüche verwendet werden. Aber auch in Unterhaltungen auf der Straße, im Bekannten- oder Familienkreis, werden solche Formulierungen verwendet. Beispielsweise liest/hört man oft „Pegidiot“ als abwertende Bezeichnung für Pegida-Leute, so auch bei uns in Nürnberg. Aber auch „dumme Nazis“ oder „die sind doch alle verrückt / die spinnen doch“ sind Beispiele für ableistische Beleidigungen.

Der Begriff „Idiotie“ ist eine veraltete Fremdbezeichnung für Menschen mit Lernschwierigkeiten, der von den betroffenen Leuten abgelehnt wird. Heute wird das Wort nur noch als Beleidigung und Abwertung verwendet und zwar auf Kosten von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Eine Behinderung oder Lernschwierigkeiten zu haben, macht Menschen nicht weniger wertvoll. Das Wort vor diesem Hintergrund als Beleidigung zu verwenden, ist behindertenfeindlich und verletzend. Auch dann, wenn das Wort nicht zu einem behinderten Menschen, sondern zu anderen Leuten gesagt wird.

Insbesondere im Zusammenhang mit rechten Bestrebungen ist es gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch. Denn sehr viele Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber auch mit verschiedenen Behinderungen und (psychischen) Krankheiten, wurden von den Nazis ermordet, zwangsweise sterilisiert oder für Experimente missbraucht.

Es ist ein besonderer Schlag ins Gesicht (Redewendung) für behinderte und kranke Menschen, wenn ausgerechnet abwertende Bezeichnungen für sie und ihre Behinderung verwendet werden, um Nazis und Rechte zu beleidigen. Rassismus ist keine Frage von Bildung, kognitiven Fähigkeiten oder (psychischer) Gesundheit. Rassismus ist Rassismus und er ist überall zu finden.

Um Menschen darauf hinzuweisen, dass ihre Sprüche auf Demos (oder wo auch immer sonst) behindertenfeindlich sind, haben ein paar behinderte Menschen gemeinsam einen Flyer geschrieben. Den können alle (ob nun selbst behindert oder nicht) sich ausdrucken und verteilen. Er darf auch im Internet verlinkt werden, wenn er helfen kann auf das Problem hinzuweisen. Wir dürfen den Flyer hier bei uns hochladen, vielen Dank dafür!

Flyer: Dein Spruch ist behindertenfeindlich (pdf)

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4 Gedanken zu „Flyer zur Aufklärung über behindertenfeindliche Sprüche

  1. Steinboeckle

    Prinzipiell finde ich das sehr gut, manches finde ich etwas übertrieben. Manche Wörter wie zum Beispiel Idiot oder bescheuert werden heute im normalen Alltag überhaupt nicht mehr mit Behinderung in Verbindung gebracht. Dass man so etwas nicht direkt zu einem Menschen mit Lernschwierigkeiten sagt, dürfte sich von selbst verstehen, wenn nicht, muss man die Leute natürlich drauf hinweisen. Und ob es sinnvoll ist, Nazis auf dem gleichen Niveau zu beschimpfen, wie sie es tun, ist auch fraglich. Was ich wesentlich problematischer finde ist, dass heute in ganz seriösen Artikeln, sogar in Kabarett oder in Diskussionen haue häufig Krankheiten, besonders aus dem psychischen Bereich, benutzt werden, um irgendwelche Probleme zu schildern. Zum Beispiel sagt man, dieser Politiker legt ein autistisches Verhalten an den Tag, wenn man meint, dass er egoistisch ist und nicht an andere denkt. Klein Fritzchen wird daraus schließen, Autisten sind egoistisch, denken nicht an andere und Kapseln sich von der Welt ab. Ich habe im Kabarett schon gehört, das Privatfernsehen sind die Paralympics des deutschen Fernsehens. Das ist eine Beleidigung für die Olympiade von Menschen mit Behinderungen, die enormes leisten. Ich glaube, dieses Lob hat Privatfernsehen meiner Meinung nach wirklich nicht verdient. Oder ich habe auch schon Aussprüche gehört wie: diese Veranstaltung war so furchtbar, man meinte schon, man sei bei der Aktion Mensch. Dass Begriffe wie „voll behindert“ oder „Volkswohl“ absolut indiskutabel sind, dürfte hier klar sein. Allerdings werde ich mich jetzt nicht bei jedem Wort kontrollieren, wenn ich zum Beispiel sage, diese Situation ist wirklich bescheuert, ich halte diesen Menschen tatsächlich für einen Idioten. Ich denke bei dem Wort dann nicht mehr an einen behinderten Menschen. Für mich ist heutzutage ein Idiot jemand, der sich einfach nicht so verhält, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Es ist natürlich blöd, jemanden als dumm zu bezeichnen, es gibt keine dummen Menschen, es gibt nur Menschen, die dumme Sachen machen. Daher sollte man überhaupt keine Zuschreibungen anderen Menschen anhängen.

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